Neue Sozialenzyklika : Der linke Papst

Der Papst fordert eine neue moralische Weltinstitution. Er reiht sich damit ein in eine lange - kapitalismuskritische - Tradition

Stephan-Andreas Casdorff

Am besten ist dieser Papst, wenn er sich in Schriftform äußert. Bene dicere … Und gut gesprochen ist das, was er in seiner Sozialenzyklika vorlegt, 24 Stunden vor dem Treffen der G 8 in Italien. Ein Zufall ist das nicht. 142 Seiten, die es in sich haben. Benedikt XVI. bezieht seine Vorgänger mit ein. Bemerkenswert ist die Anregung, eine Weltautorität zu schaffen, um die Wirtschaft mit Moral und Ethik zu mäßigen. Also ein Steuerungsinstrument. Das wollte bereits Johannes XXIII. im Jahr 1961; es war schon damals umstritten. Nun wird deutlich, wie sehr sich Benedikt dann doch diesem großen Sozialpapst verpflichtet fühlt. Die Rückbesinnung zeigt sein Traditionsbewusstsein, auch sein reformerisches. Die Frage bleibt offen, ob der Papst an eine neue Institution denkt oder an die Weiterentwicklung der WTO, wie der deutsche Sozialbischof Reinhard Marx meint. Erstaunlich nicht nur für Marx ist darüber hinaus Benedikts Gedanke über neue Formen marktwirtschaftlichen Handelns, so, dass es nicht nur profitorientierte, sondern auch gemeinnützige Unternehmen im Weltmaßstab geben könnte. Kämen diese Überlegungen mitsamt der fundamentalen Kapitalismuskritik nicht vom Papst, sie wären – links. cas

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