Meinung : Neue Unruhen in Mazedonien: Wenn die Welt wegsieht

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Jeder nutzt die neue Weltlage nach dem 11. September auf seine Art. In Mazedonien haben die Nationalisten die Chance ergriffen, den mühsam ausgehandelten Friedensvertrag mit der albanischen Minderheit wieder in Frage zu stellen. Schließlich schaut nach den Anschlägen in den USA niemand mehr so genau, was auf dem Balkan geschieht. Der Vielvölkerstaat ist im September von einem Tag auf den anderen aus den Schlagzeilen verschwunden. Nicht etwa, weil sich in Mazedonien die Lage dramatisch verbessert hätte. Die jüngste Eskalation illustriert im Gegenteil, das keines der grundlegenden Probleme gelöst ist. Alles deutet darauf hin, dass es spätestens im Frühjahr zu einer Neuauflage der Kämpfe kommen könnte. Wie die Schießereien bei Tetovo zeigen, verfügen die formell entwaffneten Rebellen noch immer über Waffen und können zudem ihre Arsenale jederzeit wieder auffüllen. Nur massiver Druck der internationalen Gemeinschaft kann den totalen Kollaps des Friedensprozesses in Mazedonien noch verhindern. Eine zentrale Forderung der Vermittler müsste der Rücktritt von Innenminister Ljube Boskovski sein. Denn der Hardliner und Polizeichef tut alles, um die Vereinbarungen mit den Albanern zu sabotieren.

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