Meinung : Neue Unruhen in Nordirland: Zu wenig Mauerspechte

ali

Die jüngsten Belfaster Krawalle sind Ausdruck der Krise im nordirischen Friedensprozess. In Nord-Belfast trennt noch immer eine Mauer Katholiken von Protestanten - und im Gegensatz zu anderen Mauern steht diese auf Wunsch der Anwohner hüben wie drüben da. In den letzten drei Jahren haben sich die Kontrahenten auch nicht lieben gelernt. Aber wenn die nordirischen Politiker es in den nächsten acht Tagen zulassen, dass die demokratisch legitimierten Organe der Selbstverwaltung lahmgelegt werden, dann spielen sie mit dem Feuer. Vom politischen Stillstand profitieren nur jene, die Rohrbomben und Brandsätze für legitime Argumente halten. Alle wissen, was notwendig ist: Die IRA soll ein paar Waffenbunker zubetonieren, die Briten sollen ihre Wachtürme an der Grenze entfernen, und die reformierte Polizei muss ihrer Rechenschaftspflicht besser nachkommen. Das Patt kann nur überwunden werden, wenn die IRA eine Abrüstungsgeste macht. Da ist es absurd, wenn Chefminister David Trimble der IRA mit seiner Rücktrittsdrohung ein Veto über den ganzen Prozess einräumt. Jetzt, wo Sinn Féin erstmals zur stärksten Kraft im katholisch-nationalistischen Lager geworden ist, kann sie es sich leisten, Risiken einzugehen. Das Argument, man dürfe die Militaristen nicht mit überstürzten Konzessionen vor den Kopf stoßen, zählt nicht mehr, wenn die 21,7 Prozent der Stimmen eingeheimst haben. Die Zeit drängt: Wenn Trimble sein Ultimatum einhält und zurücktritt, wird Nordirland für lange Zeit Scherben kitten - nicht nur politische.

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