Meinung : Neuer Anschluss

Enteignung oder kluge Strategie? T-Online wird wieder Teil der Telekom

Corinna Visser

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke hatte die Wahl: Er konnte es sich entweder mit den eigenen Anteilseignern verderben, den T-Aktionären, oder mit den Aktionären der Tochtergesellschaft T-Online. Er hat sich verständlicher Weise für Letzteres entschieden: Die Telekom will T-Online von der Börse nehmen und wieder in den Konzern integrieren. Dazu werden beide Unternehmen verschmolzen, die T-Online-Aktie wird in T-Aktien umgetauscht. Da die Telekom 75 Prozent der T-Online-Aktien hält, haben die übrigen T-Online-Aktionäre keine Möglichkeit, das zu verhindern.

Darum macht die Telekom den Aktionären auch keine großzügigen Angebote. Wer seine Anteilsscheine nicht in Telekom-Papiere tauschen will, dem bietet die Telekom 8,99 Euro pro T-Online-Aktie. Eine Nachbesserung ist unwahrscheinlich. Würde Ricke nachschießen, bekäme er – zu Recht – Ärger mit den T-Aktionären.

Völlig inakzeptabel und an der Grenze zur Enteignung – so kommentierten dagegen wütende Aktionärsvertreter das 8,99-Euro-Angebot. Ihre Wut hat einen Grund: Im April 2000 brachte die Telekom T-Online für 27 Euro pro Anteilsschein an die Börse. Jetzt kauft sie sie für 8,99 Euro zurück. Den Schaden haben die Aktionäre, die dem Unternehmen die Treue gehalten haben.

T-Online-Aktionäre haben guten Grund, empört zu sein. Aber was sind die Alternativen? Der Kurs ihrer Aktie dümpelt lustlos dahin. Zwar ist es dem Vorstandschef Thomas Holtrop in den vergangenen Jahren gelungen, T-Online profitabel zu machen. Doch er konnte das Unternehmen nicht so entwickeln, wie er es gern getan hätte, weil er dann der Konzernschwester T-Com, dem Festnetzgeschäft der Telekom, zu viel Konkurrenz gemacht hätte. Konsequenterweise hat Holtrop inzwischen das Unternehmen verlassen.

Wäre T-Online ganz allein, ohne die Konzernmutter, besser vorangekommen? Das ist schwer vorstellbar. Denn die meisten Umsätze machte T-Online mit der Telekom. Zwar hat sich T-Online angestrengt, Internetkunden kostenpflichtige Inhalte im Netz zu verkaufen, aber das Geschäft kommt nicht so schnell in Gang wie gewünscht.

Viele Analysten halten ein Geschäftsmodell, das allein auf dem Verkauf von Internetzugängen, Online-Werbung und kostenpflichtigen Abonnements beruht, für wenig erfolgversprechend. Freilich, viele dieser Analysten haben zum Börsengang von T-Online ganz anders gesprochen. Aber immerhin steht die Telekom, mit dem Strategiewechsel nicht allein da: France Télécom und die spanische Telefónica haben ihn bereits vollzogen.

Also besser eine integrierte Strategie, die das Internet- und das Festnetzgeschäft nicht mehr trennt? Viele Experten halten das für den erfolgversprechenderen Weg. Die Telekom ist bei den schnellen Internetanschlüssen (DSL) in Deutschland mit großem Abstand Marktführer. Aber der Wettbewerb wird sich verschärfen. Dafür wird die Telekom nun besser gewappnet sein, wenn sie keine zwei Einheiten mehr im Haus hat, die sich gegenseitig Konkurrenz machen. Sollte es stimmen, dass man als integrierter Konzern, der Festnetz, Internet und Mobilfunk aus einer Hand anbieten kann, künftig bessere Chancen auf dem Markt hat, dann werden die T-Aktionäre davon profitieren können. Kaum ein anderer Konzern auf der Welt kann das bieten. Es spricht einiges für diese Strategie.

Was tun als T-Online-Aktionär? Verkaufen und Verluste realisieren? Wer nicht an die neue Strategie glaubt, sollte das tun. Wer daran glaubt, sollte tauschen. Am Montag zeigte sich jedoch, dass noch ganz andere Risiken in der T-Aktie stecken: Der Bund hat über die Staatsbank KfW eine große Zahl T-Aktien bei Investoren platziert. Weitere Privatisierungserlöse hat der Bundesfinanzminister schon in seinen Haushalt eingeplant. Die Geldnot von Hans Eichel wird den Kurs der T-Aktie noch eine ganze Weile belasten.

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