Neuer Berliner Polizeipräsident : Härtetest für den Koalitionspartner

Mit Udo Hansen als neuem Berliner Polizeipräsidenten setzt Innensenator Körting seinen Favoriten durch. Damit provoziert er den künftigen Koalitionspartner CDU und vor allem Frank Henkel. Der muss nun zeigen, ob er sich das gefallen lässt.

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Die Berliner Polizei bekommt einen neuen Präsidenten. Viele mit der Wahl nicht einverstanden.
Die Berliner Polizei bekommt einen neuen Präsidenten. Viele mit der Wahl nicht einverstanden.Foto: dapd

Das sieht nach Ärger aus. Nach einem monatelangen, nicht sehr professionell geführten Auswahlverfahren benennt der Senat einen neuen Polizeipräsidenten. Udo Hansen, der Favorit von Innensenator Ehrhart Körting, soll Polizeichef werden – und Körting provoziert damit den möglichen künftigen Koalitionspartner CDU und dessen Ober-Unterhändler Frank Henkel ganz besonders.

Dass Körting seinen Mann jetzt im Senat durchgesetzt hat und an der Spitze der riesigen Berliner Sicherheitsbehörde installiert, kann das merkwürdige Verfahren und die Fragen zur Person nicht vergessen machen. Hansen gilt als „hart“, er ist ein Elitepolizist mit Erfahrung bei der GSG 9. Doch nach allem, was über ihn bekannt geworden ist, dürfte seine Dienstfähigkeit eingeschränkt sein. Der amtierenden Polizei(vize)chefin Margarete Koppers ist signalisiert worden, sie habe keine Chance mit einer Bewerbung, da ihr als früherer Gerichtsvizepräsidentin die Fronterfahrung fehle. Hansen hingegen war nach einem polit-polizeilichen Scharmützel mit seinem früheren Dienstherrn, dem Bundesinnenminister, krankgeschrieben und ist heute angeblich nur für den Verwaltungsdienst tauglich.

Körting, der in dem Auswahlverfahren keine gute Figur gemacht hat, scheint ihn trotzdem für fit genug zu halten, um angespannte Sicherheitslagen durchzustehen. Woher der Innensenator seine Überzeugung nimmt, sollten jetzt wenigstens Körtings Kollegen im Senat wissen. Dem Rest der Stadt und vielen leitenden Polizisten im Präsidium bleibt nur Verwunderung.

Frank Henkel kann es bei Verwunderung nicht belassen. Dass die CDU diese Personalie als „unfreundlichen Akt“ wahrnehmen werde, hat vor Tagen die innenpolitische Unterhändlerin Cornelia Seibeld diplomatisch korrekt angekündigt. Der Akt ist geschehen – nun muss Henkel reagieren. Allerdings nicht allein auf Körting.

Die Personalie Hansen ist für den Regierenden Bürgermeister und SPD-Ober-Unterhändler Klaus Wowereit ein kleiner Härtetest für Henkel – mit Geschmack ausgewählt: Wie reagiert der nette Kerl von der CDU, den manche für den nächsten Innensenator halten, wenn man ihm knallhart unfreundlich kommt? Dezent entschieden? Kühl überlegt? Lässt er sich treiben? Henkel hat eine Reaktion angekündigt: „Das wird in die Verhandlungen einfließen“, versprach der CDU-Mann. Wowereits Freude am Zocken um die Macht wird er nun nicht mehr unterschätzen.

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