Neuer Mietspiegel : Stetiger Anstieg bei den Mieten

Der Mietspiegel bildet die Berliner Realität nur teilweise ab. Neue Instrumente gegen spekulativen Leerstand und Zweckentfremdung sind nicht in Sicht. Ein Wahlkampfthema dürfte damit schon gefunden sein.

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Es kommt nur auf die Perspektive an, dann sieht alles gut aus, mag sich Berlins Bausenatorin Ingeborg Junge-Reyer gedacht haben: Über zehn Jahre gerechnet sind die Mieten in Berlin nur um zwei Prozent gestiegen; die Steigerung von vier Prozent im neuen Mietspiegel sei nur ein „Nachholeffekt“. Der Mietspiegel bildet die Berliner Realität aber nur teilweise ab. Für viele Mieter in innerstädtischen Quartieren sieht die Lage deutlich anders aus. Bei Neuvermietungen, wo der Mietspiegel nicht gilt, steigen die Preise deutlich schneller, wie der Verband Berlin-Brandenburger Wohnungsunternehmen feststellte, und Leerstand gibt es in Boombezirken nicht mehr. Hinzu kommt, dass die 270.000 Sozialbauwohnungen durchschnittlich teurer sind als Wohnungen privater Vermieter. Viel zu spät hat der rot-rote Senat auf die Entwicklung reagiert und versucht, über Anträge im Bundesrat den Preisauftrieb zu dämmen. Doch neue Instrumente gegen spekulativen Leerstand und Zweckentfremdung – etwa als Ferienwohnungen – sowie für mehr Mieterschutz bei der Umwandlung von Miet- in Eigentumswohnungen sind nicht in Sicht. Nun will der Senat den Sozialwohnungsbestand erhöhen und den Wohnungsneubau durch die Vergabe landeseigener Grundstücke ankurbeln. Trotz Junge-Reyers Beruhigung: Der Wahlkampf in Berlin hat ein Thema schon gefunden.

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