Neuer Streit um die Grundschule : Zu gut sein lohnt nicht

Bildungssenator Jürgen Zöllner muss eine Studie veröffentlichen, deren Ergebnisse ihm widerstreben: Offenbar werden leistungsstarke Schüler an Grundschulen tatsächlich nicht genügend gefördert.

Susanne Vieth-Entus

Das wünscht sich kein Politiker: Plötzlich muss er eine Studie veröffentlichen, die er nicht in Auftrag gegeben hat und von der er weiß, dass sie ihm eine unangenehme Diskussion einbrocken wird. Genau dies widerfährt gerade Berlins Bildungssenator Jürgen Zöllner. Sein Vorgänger und Parteifreund Klaus Böger wollte einst den emotional geführten Streit um die sechsjährige Grundschule mit exakten Forschungsergebnissen entkrampfen. Sechs Jahre später liegen die Ergebnisse vor und erwischen Berlin zu einem Zeitpunkt, an dem die Stadt über den Sinn- und Unsinn der zehnjährigen Gemeinschaftsschule diskutiert. Aber es hilft alles nichts: Zöllner muss sich mit den Forschungsergebnissen auseinandersetzen und sie so bald wie möglich veröffentlichen, damit seriös diskutiert werden kann. Und wenn sich im Lichte der gesamten Studie zeigen sollte, dass leistungsstarke Schüler an Grundschulen tatsächlich nicht genügend gefördert werden, muss die Stadt daraus Konsequenzen ziehen. Und das bedeutet: entweder die Qualität des Grundschulunterrichts in den oberen Klassen gezielt verbessern oder mehr grundständige Klassen an den Gymnasien zulassen. Alles andere wäre verantwortungslos gegenüber den Schülern, die mehr lernen wollen, als man ihnen jetzt zu bieten hat. sve

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