Neues von der SPD : Gering geschätzt

Gesine Schwan steht im Regen, Franz Müntefering will bleiben, wer er ist und beleidigt gleich dazu noch die Linken: In der SPD geht's mal wieder rund.

Stephan-Andreas Casdorff

Bei der SPD ist immer was los. Nehmen wir den Fall Gesine Schwan. Da haben die Genossen sie zur Präsidentschaftskandidatin gekürt – und tun fast nichts für sie. Selbst wenn Schwan es jetzt nicht (mehr) kritisiert haben will, so stimmt die Kritik doch. Peinlich verhält sich die SPD-Führung, unverschämt und, um einmal ein bisschen altmodisch zu werden, unerzogen. Das tut man nicht, hätte man früher gesagt, als Franz Müntefering noch jung war. Sollen sie doch ehrlich sein und Schwan zurückziehen, das wäre immer noch besser, als sie so gering zu schätzen.

Ja, und genau der Müntefering, der für sich auf den entsprechenden Umgang und auf Respekt pocht (man denke nur an seinen ersten Versuch als SPD-Chef und wie er sich zurückzog, als er nicht seinen Willen bekam), also genau der lässt das zu. Was uns das sagt? Dass er Schwan nie wollte, und dass er genauso führt wie vorher. In seinem Wesen liegt mehr Basta, als es Gerhard Schröder je gesagt hat. Und Schröder stützte Schwan, weil sie das sichtbarste Zeichen ist, dass die stolze, traditionsbewusste Sozialdemokratie noch immer geeignete Kandidaten für jedes hohe Amt hatte.

Müntefering will übrigens der bleiben, der er ist. In diesem Fall ist der Parteivorsitz gemeint, aber es gilt auch im übertragenen Sinn. Beileibe nicht alle Sozialdemokraten werden das beruhigend finden. Schon gar nicht, wenn er immer konservativer wird. Man mag zwar witzig finden, wie sich das trifft mit einer Angela Merkel, die immer sozialdemokratischer entscheidet. Aber der Vorwurf, Oskar Lafontaine mache „nationale soziale Politik“, der natürlich mit Absicht ans Böseste grenzt, wäre der CDU-Chefin so nicht über die Lippen gekommen. Da werden sich die Wähler der Linken gleich mit beleidigt fühlen, die die SPD doch zurückholen müsste, um wieder Volkspartei zu sein, oder um nicht am Ende noch von der FDP überholt zu werden. Dann wär aber was los!

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