Meinung : „New Yorker wissen, wie hart ich arbeite“

Christoph von Marschall

Als Hillary Clinton sich vor sechs Jahren erstmals um die Vertretung New Yorks im US-Senat bewarb, bereiste sie den ganzen Staat bei einer „listening tour“ und sammelte 41 Millionen Dollar für aufwändige Werbung. Zwar war sie amerikaweit bekannt durch die Rolle an der Seite ihres Mannes. Doch nun wollte sie zu einer Politikerin aus eigenem Recht werden. Als Neuling in New York begegnete sie Misstrauen, „ob die wirklich unsere Interessen vertritt“. Sie musste die Wähler in persönlichen Begegnungen überzeugen. Jetzt, bei der anstehenden Wiederwahl, ist alles anders. Mittwochabend ist die 58-Jährige bei der Parteiversammlung der New Yorker Demokraten in Buffalo als unumstrittene Kandidatin vorgestellt worden, begleitet von Ehemann Bill und Tochter Chelsea. Das 18-minütige Video mit ihrer Biografie lief parallel bei unzähligen Wahlpartys quer durch den Staat.

Doch die Hillary-Kampagne für den Senat 2006 ist eigentlich ein Nicht-Wahlkampf: kein Klinkenputzen an Haus- und Wohnungstüren, keine dezidierten Werbeauftritte, keine einprägsamen Slogans. Die Bitte von Reportern der „New York Times“, sie auf Tour zu begleiten, lehnt ihr Büro ab. Das lenke nur ab von der Hauptbotschaft: Die Bürger wissen, wie hart sie für New York arbeite. Sie hat nicht einmal einen offiziellen Wahlkampfmanager.

Auf vollen Touren läuft dagegen ihre Kampagne für Wahlspenden. Intern geben ihre Mitarbeiter längst zu, dass es dabei weniger um 2006 geht als um 2008 – die nächste Präsidentenwahl. Hillary Clinton genießt eine hohe Zustimmung an der Ostküste, ihre Wiederwahl gilt als gesichert. Es ist unsicher, ob die aussichtsreichste republikanische Herausforderin Jeanine Pirro antritt. Solange die Republikaner keine aufwändige Kampagne gegen sie starten, kann Clinton sparsam mit ihren Mitteln umgehen und wird wohl erst nach der Sommerpause Anzeigen schalten.

Auch die Republikaner denken bei Hillary eher an 2008. Es sei „fruchtlos“, schon jetzt größere Summen gegen sie einzusetzen, heißt es in deren Wahlkampfkomitee. Zwar wolle man ihren Lauf möglichst früh bremsen, doch bei der Kongresswahl 2006 brauche man das Geld dringender für umstrittene Wahlkreise. Die Präsidentenwahl freilich wird für Clinton wesentlich schwieriger. Im liberalen New York ist sie beliebt, im konservativen Mittleren Westen dagegen ziehen wenige Politiker mehr Wut auf sich als Hillary Clinton.

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