Meinung : Newer Orleans

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Eine der größten Aufbauanstrengungen der Geschichte hat der USPräsident angekündigt. New Orleans soll neu erstehen. Was die Stadt nötig hat, ist aber nicht nur Geld für die Deiche und für Häuser. New Orleans ist wahrscheinlich die am schlechtesten funktionierende Großstadt der USA. Die Polizei gilt als eine der korruptesten im Land. Etwa ein Drittel der Einwohner lebt in Armut. Die Mordrate ist zehn Mal höher als der US-Durchschnitt und immer noch sieben Mal höher als in New York. Eines der schlechtesten Schulsysteme der USA produziert faktisch fast 40 Prozent Analphabeten. Lange bevor der Hurrikan zuschlug, befand New Orleans sich auf einem absteigenden Ast. Dennoch hatte die Stadt eine der geringsten Mobilitätsraten Amerikas: Wer arm war, blieb trotzdem, auch wenn Tourismus und Hafen keine halbe Million Menschen ernähren konnten. Etwa 40 Prozent der Flüchtlinge, die in Auffanglagern in den ganzen USA verteilt sind, sagen nun, dass sie nicht zurückkehren werden. Das eröffnet New Orleans die Chance, kleiner, aber mit einer nachhaltigeren sozialen Mischung wiederzuerstehen. Denn New Orleans muss nicht nur neu erbaut, sondern neu erfunden werden. Ansonsten bleibt es bei den alten Dysfunktionalitäten – nur diesmal mit höheren Dämmen. clw

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