Meinung : Nicht angezeigt

FRIEDMAN UND DIE FOLGEN

-

Der Sizilianer greift zum Messer, wenn er sich beleidigt fühlt, der Deutsche zur Strafanzeige. Letzteres ist besser, aber auch oft ein Fehler, vor allem dann, wenn eine Justizsenatorin ihn begeht. Karin Schubert will sich so gegen die Behauptung des „Zeit“Herausgebers Michael Naumann wehren, in der Akte Friedman seien „durchgeknallte“ Staatsanwälte am Werk. Frau Schubert ist nicht auf den Mund gefallen. Sie hat zu dem Vorwurf jene Worte gefunden, die er als Antwort verdient: Er sei, gelinde gesagt, etwas kühn. Das ist in der Tat richtig und mit Takt auf den Punkt gebracht. Naumanns Kritik ist in der Sache falsch und der Form nach überzogen – aber nicht strafbar. Ihm ging es um Kritik, nicht um Ehrverletzung. Freilich ist es das gute Recht der Senatorin wie auch ihres Generalstaatsanwalts Karge, sich strafbar beleidigt zu fühlen. Einen Strafantrag zu stellen, ist jedoch unklug. Denn nun müssen Staatsanwälte einen Vorgang untersuchen, der ihre eigenen Dienstherren betrifft – und der zudem in die Öffentlichkeit gehört und nicht zwischen Aktendeckel. In der Öffentlichkeit war das Thema auch ganz gut aufgehoben, weil langsam allen klar wird, dass der Fall Friedman ein Fall Friedman bleibt und nicht zum Skandal um die Berliner Ermittler wird. Beleidigungen anzuzeigen, sollte jenen überlassen bleiben, die sich anders nicht helfen können.neu

SEITE 4

0 Kommentare

Neuester Kommentar