Meinung : Nicht fliegen und doch abstürzen Von Stephan Haselberger

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Oskar Lafontaine hat eine neue Front eröffnet. Diesmal geht es gegen die „Bild am Sonntag“ aus dem SpringerVerlag, deren Schwesterblatt „Bild“ er jahrelang als Kolumnist diente. Hier führte er seinen Privatkrieg gegen Kanzler Schröder und die SPD. Sehr fein war das nicht, aber für Lafontaine von Vorteil, nicht nur finanziell. Die eher zur Union tendierende Zeitung wurde seine Ersatz-Bühne, nachdem er der SPD den Rücken gekehrt hatte. Es war eine Art gegenseitiger Missbrauch. Nun ist das Zweckbündnis des begabten Populisten mit dem naturgemäß populistischen Boulevard zerbrochen: „Lafontaine lügt“, titelte „Bild am Sonntag“, nachdem er das Blatt auf dem Parteitag der Linkspartei seinerseits der Lüge bezichtigt hatte.

Darum geht es: Lafontaine hätte zusammen mit seinem Bewunderer Gregor Gysi bei einem Wahlforum der Zeitung im Saarland auftreten sollen. Zum fraglichen Zeitpunkt war er aber im Urlaub auf Mallorca. Lafontaine behauptet jetzt, die Zeitung habe angeboten, ihn per Privatjet einzufliegen, was das Blatt bestreitet. Fest steht: Im Privatflieger (Kosten: 17 500 Euro) wäre Lafontaine angereist, mit Linie nicht. Was also hat sich Lafontaine von seiner Attacke versprochen?

Wahrscheinlich handelte es um einen verunglückten Entlastungsangriff. Längst nicht alle in der umgetauften PDS sind seiner Ansicht, dass ein Linker nach Herzenslust genießen darf, wenn er sich nur für die sozial Schwachen einsetzt. Bescheidenheit, auch in der persönlichen Lebensführung, ist für viele Genossen noch immer eine Maxime. Manche fragen sich auch, warum Lafontaine die behagliche Anreise wichtiger war als die Chance, seine Botschaft vor elf Millionen Lesern zu verbreiten. Wenn es stimmt, dass es sich bei der Linkspartei um ein historisches Projekt handelt, wie er erklärt – sind kleinere Entbehrungen dann nicht zumutbar? Wie weit reicht seine Bereitschaft, persönliche Belange der gemeinsamen Sache unterzuordnen? Und hat er nicht das Vorurteil der Protestwähler, die er doch gewinnen will, bestätigt, dass es Politikern vor allem um ihren Vorteil geht – im Fall Lafontaine um Status und Bequemlichkeit? Die Antworten dürften Lafontaine schwer fallen. Es stimmt: Nirgendwo steht geschrieben, dass Linke in Sack und Asche gehen müssen. Ob vermögend oder nicht, darf man von einer linken Führungsfigur aber Glaubwürdigkeit erwarten. Die von Lafontaine ist jetzt in Frage gestellt. Er müsste eigentlich ziemlich wütend sein – auf sich selbst.

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