Meinung : Nicht ganz koscher

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Berlin, deine Currywurstbuden. Erst kürzlich ging in der Hauptstadt ein jahrelanger Streit um die Grillstation am Brandenburger Tor zu Ende, die dem zentralen Ort angeblich nicht angemessen sei. Jetzt wird die Wurst dort im schicken Pavillon statt in der Bude verkauft. Nun folgt ein scharf gewürzter Streit um die erst vor wenigen Tagen eröffnete Currybude am HolocaustMahnmal. Dabei äußern sich selbst Vertreter der jüdischen Gemeinde hinter vorgehaltener Hand, dass dies eine prima Geschäftsidee sei. Warum auch nicht. Außerdem steht die Bude nicht direkt am Mahnmal, sondern auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Und über einen koscheren Deli-Imbiss auf der anderen Seite des Mahnmalsgeländes hat sich noch niemand aufgeregt. Nun soll der mobile Currycontainer trotzdem wieder weg, verfügt das zuständige Bezirksamt und bemüht einen Paragrafen der Bauordnung, der bei „Verunstaltung“ greift. Eine „altdeutsche Bude“ in Fachwerk-Optik sei dem Ort nicht angemessen. Ganz deutsch: Es geht nicht um das Andenken an die Opfer, sondern um das ästhetische Empfinden der Überlebenden. So plötzlich hat die Satire die Wirklichkeit eingeholt. Am Holocaust-Mahnmal, spottete nämlich kürzlich der Publizist Henryk M. Broder, werde irgendwann ein „Sachsenhausen-Imbiss“ aufmachen. Übrigens: Vor dem Holocaust-Memorial in Washington steht ein mobiler Hot-Dog-Stand. Daran hat sich dort noch kein Besucher gestört. Hätte er koschere Falafel verkauft, hätte vermutlich keiner was dagegen gehabt, klagt jetzt der Currywurst-Unternehmer. Wer weiß. gn

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