Meinung : Nicht mal süßsauer

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Bush hat sein Ziel verfehlt. Chinas starker Mann, Hu Jintao, wollte oder konnte in wirtschaftlichen Fragen keine Zugeständnisse machen. An dem starren Kurs der chinesischen Währung wird sich vorerst nichts ändern. Das heute schon gigantische US-Handelsdefizit wird also weiterwachsen. China und den USA stehen damit wirtschaftlich turbulente Zeiten bevor, möglicherweise sogar ein Handelskrieg. In Washington drängen Senatoren bereits auf Strafzölle, um die Flut der „Made in China“-Importe einzudämmen. Das Gastgeschenk der Chinesen an Bush, ein Milliardenauftrag für Boeing, wird sie kaum umstimmen. Auch politisch brachte das Gipfeltreffen keine Annäherung, im Gegenteil. Bushs Taiwan-Vergleich zu Beginn seiner Asienreise und die harsche Reaktion zeigen, dass sich der Ton zwischen Peking und Washington verschärft hat. Nach 2001 hatte der Kampf gegen Terror die beiden Großmächte eine Zeit lang näher gebracht. Jetzt driften sie wieder auseinander. In Washington sieht man die Volksrepublik als künftigen Konkurrenten und möglichen Gegner; ebenso tief sitzt das Misstrauen in China gegenüber den USA. In den Abschlusserklärungen redeten die beiden Führer konsequent aneinander vorbei. Bush dozierte über „soziale, politische und religiöse Freiheiten“, Hu warnte vor der Unabhängigkeit Taiwans. Statt Annäherung zu bringen hat der Besuch deutlich gemacht, wie tief die Risse in den Beziehungen der beiden Großmächte bereits sind. maa

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