Meinung : Nicht nur einen Sommer lang

Leben wie am Mittelmeer? Die Klimaveränderung bedeutet vor allem harte Arbeit

Ingrid Müller

Wir lieben diesen Sommer. Wir wollen mehr davon. Jeden Tag Sonne zum Frühstück, fröhliche Gesichter auf dem Weg zur Arbeit, gelassene Menschen am Mittag, Urlaubsstimmung im Biergarten am Abend. So darf es weitergehen.

Und wir werden mehr davon bekommen. Das sagen jedenfalls die, die sich mit dem Wetter beschäftigen. Da ist es dann fast einerlei, ob der eine Wissenschaftler darin einen Beweis für den Klimawandel sieht und der andere „nur“ extreme Wetterlagen feststellt. Einig sind sich alle: Wir werden immer öfter sehr warme Sommer haben – 2006 hat alle Chancen, in diesen Tagen einen neuen Hitzerekord aufzustellen. Nun ist der Mensch recht vergesslich. Wenn die ersten trüben Tage wieder über uns hereinbrechen (und die Meteorologen rechnen für unsere Breiten mit immer mehr nassen statt schneereichen Wintern), denken wir schnell nicht mehr daran, was uns dieser schöne Sommer auch zeigt: Wir sind auf solche Temperaturen nicht vorbereitet.

Das heißt: Wir müssen uns umstellen. Wenn wir das konsequent tun, kann dabei sogar etwas fürs Klima herausspringen. Stoppen werden wir die Erwärmung zwar nicht mehr. Dafür haben wir schon zu viel Kohlendioxid in die Atmosphäre geschickt. Aber wir können doch etwas tun. Um die stete Erwärmung zu mildern und die Hitze für jeden Einzelnen erträglich zu machen. Wie viele Menschen stöhnen in diesen Wochen, dass sie in ihren heißen Wohnungen nicht mehr schlafen können, am Arbeitsplatz kein Lüftchen Kühlung verschafft. Also rattern Ventilatoren und Klimaanlagen. Sie fressen jede Menge Strom. Das tut dem Klima nicht gut. Linderung könnte den Menschen etwas verschaffen, das auch Energie spart: Wären alle Häuser ordentlich isoliert, würden sie nicht so schnell zu Brutkästen. Und im Winter müsste nicht so kräftig geheizt werden. Das würde noch dazu den Geldbeutel schonen. Mit gut isolierten Fenstern sind auch ein paar Grad rauszuholen. Da könnte die Politik lenkend wirken.

Noch einen positiven Effekt können warme Sommer haben: Wenn mehr Menschen in Deutschland Urlaub machen, weil die Temperaturen so sind wie bisher am Mittelmeer. Für kürzere Wege braucht man weniger Sprit.

In vielen Branchen lassen sich schon vor der nächsten Hitzewelle die Arbeitszeiten anpassen. Härter trifft es sicher viele Bauern, die ihre Produktion umstellen müssen. Auf andere Getreide- oder Weinsorten, auf (andere) Bewässerungssysteme. Bei enger Zusammenarbeit von Klimaforschern, Politik und Verbänden muss es nicht dazu kommen, dass sich Ernteausfälle häufen – und dann der Steuerzahler helfen soll.

Machen wir uns also fit für die heißen Sommer. Indem wir bewusster Energie sparen und darüber nachdenken, wie wir angepasster leben und wirtschaften können. Wir müssen uns umstellen. Damit wir die Sommer weiter lieben.

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