Meinung : Nicht nur reden

„Die Gewalt geht uns alle an“ vom 14. April

Herr Henkel schreibt, dass wir eine Debatte über Werte und Grenzen brauchen und fragt sich, wie wir vor allem junge Menschen in ein gesellschaftliches Wertegefüge zurückholen können.

Es gehören auch die Werte Chance auf die Teilhabe am gesellschaflichen Leben durch ausreichend bezahlte Arbeit, soziale Gerechtigkeit, ökologisches Gleichgewicht und auf der Metaebene die Frage nach einem sinnvollen Leben und der Verantwortung für das Große und Ganze und für die Zukunft dazu.

Politiker sind über das Organisieren solcher Debatten hinaus in der Pflicht, sowohl Vorbild zu sein, als auch die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu schaffen, die es dem Einzelnen erlauben, sich auch in diesen Aspekten der Gesellschaft zugehörig zu fühlen. Der Wunsch, zugehörig zu sein, ist einer der stärksten Bedürfnisse der Menschen. Dies wird nicht allein bewirkt, indem jemand aufgefordert wird, sich an Werte zu halten.

Wie sollen junge Menschen davon überzeugt werden, wenn sie gleichzeitig erleben, dass diese Werte oft beliebig geworden sind – für manche gelten sie, für andere nicht. Gerade politisch Verantwortliche und Firmen und Banken – die also, die über Macht verfügen – handeln mitunter verantwortungslos, auch in Bezug auf die grundlegenden Werte.

Wo soll denn da die Orientierung herkommen, vor allem wenn auch noch eine individuelle Chancenlosigkeit dazukommt? Auch wenn die schlechten Vorbilder vielleicht nicht in der Mehrzahl sind, wird ein chancenloser, sich nicht zugehörig fühlender und nicht wertefester Mensch seine Aufmerksamkeit auf sie richten.

Ich glaube, dass wir zuallererst, unter Beteiligung aller Teile der Gesellschaft, eine tiefergehende Wertedebatte brauchen und dann Politiker, die nicht nur reden, sondern handeln.

Heike Effertz, Berlin-Wilmersdorf

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