Meinung : Nicht vergessen, nicht vergeben

LIBYEN UND LOCKERBIE

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Der Osama bin Laden der 80er Jahre kehrt in den Schoß der Weltgemeinschaft zurück: Muammar al Gaddafi, der Mörder von La Belle und Lockerbie, wird von der amerikanischen Liste derjenigen gestrichen, die den internationalen Terrorismus unterstützen; die Sanktionen gegen Libyen werden aufgehoben. Er gilt also nicht mehr als Terrorist. Für moralische Puristen, wozu verständlicherweise die Angehörigen der Opfer des Absturzes von PanAm-Flug 103 gehören, erscheint das wie eine Niederlage: Libyen kauft sich frei, ohne dass die wahren Drahtzieher des Attentats zur Verantwortung gezogen werden. Wer glaubt schon, dass der 2001 von einem schottischen Gericht zu lebenslanger Haft verurteilte Libyer sich das Attentat alleine ausgedacht hat? Aber man muss kein Zyniker sein, um die Entschädigungsvereinbarung zu begrüßen. Die Geldzahlungen und die zugegebenermaßen sehr vage Erklärung, der Verurteilte sei Agent des libyschen Geheimdienstes gewesen, sind bei aller diplomatischen Vernebelung doch eindeutig: Sie sind ein Schuldeingeständnis. Und einer Welt, die zwischen historischer Wahrheit und politischer Verschwörung immer weniger unterscheiden mag, wird so noch einmal deutlich vor Augen geführt: Gaddafi hat über Schottland 270 Menschen umbringen lassen. Mit dieser Erkenntnis kann man zur Tagesordnung übergehen, also zu jenen, die sich noch immer auf der Liste befinden. mos

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