Meinung : Nicht vom Himmel gefallen

Zur Berichterstattung über die Flugrouten

Schade nur, dass Herr Ederer mit seinen Ausführungen zum BBI und der verpassten Chance für einen Großflughafen in Sperenberg nicht früher an die Öffentlichkeit getreten ist. Es ist nicht nur lesenswert, was und wie er die Gesamtsituation beschreibt, sondern er zeigt auch die verpassten Chancen auf. Schönefeld hätte nie gebaut werden dürfen! Diepgen und Wissmann haben wider besseren Wissens entschieden und leider hat Stolpe nicht das Durchsetzungsvermögen gehabt, der Entscheidung für Schönefeld zu widersprechen. Aber auch Wowereit und Platzeck hätten noch die Möglichkeiten gehabt, das unsinnige, unrentable und vor allem die Bevölkerung im Süden Berlins belastende Projekt zu stoppen. Die Proteste zu Stuttgart 21, zum Autobahnbau A100, zu Gorleben und jetzt auch zu den Flugrouten vom BBI zeigen mit aller Deutlichkeit, dass die Mehrheit der deutschen Bürger intelligenter, verantwortungsbewusster und zukunftsorientierter sind als die meisten Politiker. Konsequenz: Schönefeld bleibt bis zur Eröffnung des Flugdrehkreuzes Sperenberg im Jahr 2020 als Regionalflugplatz erhalten. Die Planungen für Sperenberg beginnen sofort.

Claus Kretschmer, Berlin-Teltow

Wahlkämpfer Wowereit hat gewonnen, herzlichen Glückwunsch! Minister Ramsauer hat es für nötig befunden, sich vor den politischen Karren spannen zu lassen, mein aufrichtiges Beileid! Herr Platzeck hat sich herausgehalten, die Wähler in Mahlow und Blankenfelde hat er ja eh verloren, um die braucht man sich nicht mehr zu kümmern. Ich habe verstanden: den Bürgern in Berlin ist es nicht zuzumuten, von einem Teil der Flugzeuge in 2000-3000 Metern Höhe überflogen zu werden; die Bürger von Mahlow und Blankenfelde dürfen aber natürlich in 200-500 Metern von allen Flugzeugen überflogen werden... Klar ist indessen, das die geforderte Fähigkeit des Flughafens zum Parallelstart damit nicht erfüllt werden kann. Damit wird das Damoklesschwert neuer Flugrouten dauerhaft bleiben, soviel zum Thema Verlässlichkeit, Herr Ramsauer. Darüberhinaus bin ich gespannt, ob Herr Ramsauer den Lärmschutz genauso vehement unterstützt: das derzeitige BBI-Schallschutzprogramm hat nämlich nicht bestmöglichen Lärmschutz zum Ziel, sondern möglichst wenig Geld auszugeben. Die meisten Betroffenen bekommen nämlich Schallschutzfenster nicht für das ganze Haus, sondern nur für das Schlafzimmer. Vom neuen Flughafen in Schönefeld sollen viele Menschen wirtschaftlich profitieren. Wäre es nicht angemessen, diejenigen, die für den Profit der anderen empfindliche wirtschaftliche und persönliche Nachteile erleiden, zu entschädigen? Wie viele Menschen würden wegziehen, wenn dies aufgrund der Wertverluste ihrer Immobilien und Grundstücke (zugunsten des Profits anderer!) nicht das finanzielle Aus bedeuten würde! Auch diese Menschen haben damals der Landesregierung geglaubt, das Schönefeld als Standort nicht in Frage kommt. War da nicht etwas von wegen politischer Glaubwürdigkeit? Michael Frohse, Berlin-Mahlow

Das Überfliegen von Mahlow und Blankenfelde sei nicht zumutbar, sagt der Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Das ist auch für jeden nachvollziehbar. Nur erstens besteht dieser unzumutbare Zustand schon heute, auch wenn zukünftig noch häufiger über die nördliche Startbahn geflogen werden dürfte. Und zweitens sind weder die Lage dieser direkt an den Startbahnen gelegenen Orte noch die Erkenntnis der Unzumutbarkeit ihrer direkten Überfliegung vom Himmel gefallen. Hat die DFS die Planer auch schon 1998 bzw. vor der Planung des Flughafens auf diese Unzumutbarkeit aufmerksam gemacht, genau wie auf die aus Sicherheitsgründen vorgeschriebene 15-prozentige Abknickung bei Parallelflugbetrieb? Neue Erkenntnisse darüber, dass die seit damals bis heute bestehenden direkten Flugrouten in Zukunft nicht mehr zumutbar sind, kann es kaum geben. Warum ist dann aber mit den über die Orte führenden geraden Routen weitergeplant und gebaut worden? Wer hat da bewusst weggehört und aus welchem Grund? Etwa um das Planfeststellungsverfahren für Schönefeld ohne mögliche Einwendungen der jetzt betroffenen Gemeinden durchzusetzen? Als betroffene Bürgerin schockiert mich neben einer Zukunft mit hoher Lärmbelastung das Ohnmachtsgefühl, unschuldig Opfer einer betrügerisch anmutenden Vorgehensweise durch öffentliche Entscheidungsträger zu sein. Und zusätzlich noch mit Häme überschüttet zu werden, als Bürgerin den Auskünften und Hochglanzbroschüren der Flughafengesellschaft vertraut zu haben.

Anja Matys, Berlin-Stahnsdorf

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