Meinung : Nichts für Erna

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Als der Pfarrer sich das kleine Bündel Mensch ansah, da erfüllte ihn tiefe Zufriedenheit. Sein kleines Mädchen – sah es nicht aus wie ein kleiner Engel? Also sollte es auch auf diesen Namen getauft werden: Angela. Ein Name, leicht zu merken und doch herausgehoben. Nicht Erna, nicht Bertha – und leise blies jemand auf der Empore die Posaune. Aber halt, es musste noch der Name eingetragen werden in die Geburtsurkunde. Und niemand wollte glauben, was noch in der Geburtsurkunde stand: Kanzlerkandidatin. Nicht etwa „Narbe oberhalb des linken Auges“, sondern dieses seltsame Wort. Nur wusste in der Gemeinde keiner etwas damit anzufangen. Dort, wo sie lebten, gab es keinen Kanzler. Doch störte sich auch niemand weiter an diesem Wort. Sollte die junge Angela doch erst mal sein und dann erst werden, was sie will. Wenn es in ihrer Geburtsurkunde stand, dann würde es wohl schon so kommen; das ist dann doch natürlich. Nur vergingen die Jahre. Das Blatt lag lange für jedermann offen einzusehen, und mit jedem Tag in hellem Licht verblich die Schrift ein wenig mehr. Aber Angela vergaß das Wort nie. – Ja, so war das. Kein Wunder, dass Christoph Böhr das Wort jetzt gerade nicht mehr lesen kann. Aber Angela Merkel wird es doch, Kanzlerkandidatin der Unionsparteien. Denn manche Geschichte wird wahr. Und manche Mädchen kommen überall hin. cas

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