Meinung : „Nichts wird passieren“

Wolfgang Drechsler

Die Wände des Wohnzimmers sind in zartem Orange und mit Schmetterlingsbildern dekoriert. Nicht unbedingt das Ambiente, das Besucher im Wohnsitz eines afrikanischen Rebellenführers vermuten würden, dem obendrein am Internationalen Strafgerichtshof ein Prozess wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit droht. Nur der mächtige Holztisch in der Raummitte deutet darauf hin, dass hier mit Jean-Pierre Bemba einer der mächtigsten Politiker des Kongo residiert – und die Tatsache, dass ihm niemand gegenübersitzen darf. Der Platz am anderen Tischende bleibt leer.

Zumindest äußerlich entspricht Bemba, der bislang einer von vier Vize-Präsidenten der Übergangsregierung war, den Erwartungen: er ist groß gewachsen, hat mächtige Schultern und einen festen Händedruck. Ersten Wahlergebnissen zufolge gehört er zu den aussichtsreichsten Kandidaten auf das Präsidentenamt: mit rund 25 Prozent aller Stimmen liegt Bemba hinter Präsident Kabila, der auf 46 Prozent kommt. Sollte kein Kandidat im ersten Durchgang 50 Prozent aller Stimmen erhalten, kommt es Ende Oktober zu einer Stichwahl.

Bembas zweifelhafte Reputation ist einer der Gründe dafür, warum die Europäer im letzten Monat, zusätzlich zu den bereits 17 000 Blauhelmen mit deutscher Beteiligung, eine eigene Eingreiftruppe zur Absicherung der Wahlen in den Kongo entsandt haben. Bemba wird nachgesagt, eine Miliz zu unterhalten, die sich aus seiner ehemaligen Rebellenarmee rekrutiert. Sie soll nahe der Hauptstadt Kinshasa im Busch sitzen, um im Bedarfsfall beim Wahlergebnis ein wenig nachzuhelfen. Gesehen hat die Soldaten indes niemand.

Bemba selbst sieht in den Vorwürfen den Versuch, ihn von vornherein zu diskreditieren. „Nichts wird passieren“, gelobt der 44-Jährige, „darauf gebe ich mein Wort. Ich werde die Entscheidung des kongolesischen Volkes respektieren.“ Im Wahlkampf hatte Bemba vor kaum einem Trick zurückgeschreckt: In Katanga, der Hochburg seines Erzrivalen , hatten seine Hubschrauber Pamphlete abgeworfen, in denen dem Kabila-Clan die Plünderung der rohstoffreichen Provinz vorgeworfen wurde; wenig später regnete es 200 Franc-Scheine (50 Cent) vom Himmel – als Zeichen dafür, dass nur Bemba Wohlstand bringen könne. Der besitzt die Mittel für solche PR-Gags. Zum einen ist er der Sohn des legendären Geschäftsmanns Jeannot Bemba. Zum anderen hat Bemba junior zu Mobutus Zeiten ein Vermögen angehäuft, das auf einige Hundert Millionen Dollar veranschlagt wird, unter anderem durch die Verbreitung von Falschgeld.

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