Nick Griffin, British National Party : "Das britische Volk beginnt sich zu wehren"

Seine Partei prangert den "Rassismus gegen Weiße" an und will die christliche Identität der Briten retten. Jetzt schickt sie zwei Abgeordnete ins Europaparlament.

Matthias Thibaut

Wegen der Proteste gelangte er nur durch die Hintertür und mit Polizeihilfe in die Wahlzentrale in Manchester. Aber dann wurde er in einem „großartigen Moment für die Demokratie“, wie er sagte, ins Europaparlament gewählt. 120 000 Stimmen reichten für den wegen Hetze und Rassenhass vorbestraften Führer der Britischen Nationalpartei BNP. Das waren weniger als 2004, aber die niedrige Wahlbeteiligung und die Lustlosigkeit der Labourwähler machten es möglich. Etablierte Parteien reagierten empört und schuldbewusst. „Wir müssen unsere Anstrengungen verdoppeln, damit die Hassbotschaft dieser Rohlinge nicht auf fruchtbaren Boden fällt“, forderte Tory-Chef David Cameron.

Für Griffin , der nach einer Schlägerei mit Antifaschisten das Boxen lernte, war es dagegen „der Augenblick, wo das britische Volk sich zu wehren beginnt“. 50 Jahre lang habe Großbritanniens Elite das Land vor den Augen der Menschen transformiert und jede Kritik durch ein Netz von Lügen verhindert. Labour habe das Land in einen „von Kriminalität verseuchten Slum ohne jede Industrie“ verwandelt.

Einst schrieb er Pamphlete in der antisemitischen Zeitung „Die Rune“ und nannte den Holocaust den „Witz des 20. Jahrhunderts“. Aber als der 1959 geborene Cambridge-Absolvent 1999 den Vorsitz der BNP übernahm, versuchte er das Skinhead-Image der Faschistenpartei etwas aufzupolieren. Griffin trägt grundsätzlich Anzug. Gestern rühmte er sich wieder, dass eine seiner besten Parteifreunde Jüdin sei. Griffin baute die BNP als Beschützer der diskriminierten weißen Arbeiterklasse auf – vor allem in Zentren mit einer großen Einwanderungsbevölkerung. Was in Bradford geschehe, sei keine Einwanderung mehr, sondern „Kolonialisierung“, so Griffin über die Stadt mit einem Muslimanteil von mehr als 20 Prozent, wo 2001 Rassenkrawalle stattfanden, die von Rechtsparteien geschürt wurden. Griffin nennt Großbritanniens multikulturelle Offenheit „Rassismus gegen Weiße“ und will die christliche Identität der Briten schützen.

2004 wurde er von der BBC heimlich gefilmt, wie er bei einem parteiinternen Treffen den Islam als „böse und hässliche Religion“ schmähte. Dies führte zu einem der wichtigsten Prozesse über das Recht auf freie Rede in Großbritannien. Als Griffin 2006 in zweiter Instanz gewann, wurde mit blau- rot-weiß etikettiertem Champagner gefeiert, den Frankreichs Front-National-Chef Le Pen stiftete. Matthias Thibaut

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