Nicolas Sarkozy: : „In Berlin fühle ich mich terrorisiert“

Streit mit Berlin kann sich der französische Präsident nicht leisten, doch auf die deutsche Kanzlerin ist er trotzdem nicht gut zu sprechen.

Hans-Hagen Bremer

Auf die Bemerkung der Schriftstellerin Yasmina Reza, die ihn im Wahlkampf begleitete, dass er sich bei seiner mediterranen Herkunft in Sevilla doch sicherlich wohler fühle als in Oslo, antwortete Nicolas Sarkozy spontan: "Wohler als in Berlin; dort fühle ich mich terrorisiert, auch in Frankfurt fühle ich mich terrorisiert."

Heute reist Frankreichs Präsident nach Straubing in Niederbayern zu einem deutsch-französischen Ministerrat mit Angela Merkel. Die Gastgeber werden alles tun, um Sarkozy den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Der Gast wird, von den Wangenküssen bei der Begrüßung bis zu den Schlusserklärungen des Regierungstreffens, keine Gelegenheit auslassen, sein Einvernehmen mit der Kanzlerin zu betonen.

Streit mit Berlin kann sich Sarkozy kurz vor Beginn der französischen EU-Präsidentschaft nicht leisten, und auch für Merkel kommt es darauf an, den Präsidenten im Dienste Europas zu unterstützen. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Präsident auch nach der Eloge bei der Karls-Preis-Verleihung auf die Kanzlerin nicht gut zu sprechen ist. Ihren Widerstand gegen seine Idee einer Mittelmeerunion hat er ihr nicht vergessen. Besuchern gegenüber bezichtigte er Merkel kürzlich, "mal so und mal so" zu reden. Auf die versprochene Antwort auf seinen Vorschlag, ein französisch-deutsches Atom-U-Boot zu bauen, warte er immer noch. Andererseits wirken in Berlin die Irritationen nach, die Sarkozy durch seine Alleingänge provoziert hat.

Die Animosität ist indes nicht allein im Persönlichen begründet. Gegenüber Deutschland, schreibt "Le Monde", hegt der Präsident ein "instinktives Misstrauen". Als das Land, das der EU die Regeln diktiert, die seine eigenen politischen Ambitionen für Frankreich behindern, ist es ihm zu mächtig.

So groß wie seine Abneigung gegen Berlin ist seine Zuneigung zu London. Sarkozy bewundert Großbritannien. Der Empfang, der ihm dort beim Staatsbesuch bereitet wurde, bezeichnete er als "magnifical" (sic). In den britischen Reformen sieht er ein Modell für Frankreich. Mit Tony Blair und Gordon Brown wollte er Europa neu bauen. Inzwischen ist Sarkozy realistischer geworden und hat eingesehen, dass es bei aller Nähe, die er zu Großbritannien sucht, in der EU nicht ohne die Partnerschaft mit Deutschland vorangeht. Aber "heilig", wie er einmal sagte, ist ihm diese Partnerschaft nicht.

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