Niedrige Zinsen : Party ohne Ende

Die Nullzinspolitik ist ein starke Konjunkturprogramm - mit immer deutlicher werdenden Nebenwirkungen. Höchste Zeit, diese Politik zu beenden. Ein Kommentar

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Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse". Foto: Mike Wolff
Ursula Weidenfeld ist Wirtschaftsjournalistin. Sie war unter anderem Chefredakteurin von "impulse".Foto: Mike Wolff

Besser als in den vergangenen Wochen und Monaten kann es wirtschaftlich eigentlich nicht laufen. An der Aktien-Börse jagt ein Rekord den anderen. Die Preisentwicklung am Immobilienmarkt ist beeindruckend. Auch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zieht deutlich an. Die Europäische Zentralbank hat mit Niedrigzinsen und dem Aufkauf von Staatsanleihen ihr Ziel erreicht, die Konjunktur im Euroraum anzufachen. Jetzt könnte sie diese Programme stoppen. Doch dazu fehlt der Bank die Kraft.

Die einfachen Sparer werden enteignet

Die Nullzinspolitik, der niedrige Ölpreis und der schwache Außenwert des Euro wirken wie ein starkes Konjunkturprogramm. In Spanien, Portugal und Irland ist die Rezession bereits seit dem vergangenen Jahr zu Ende. Bis auf das Dauerkrisenland Griechenland stehen alle Eurostaaten deutlich besser da als vor zwölf Monaten.
Gleichzeitig aber nehmen die unerwünschten Nebenwirkungen des EZB-Programms gefährliche Ausmaße an. Aktien- und Immobilienpreise sind gefährlich hoch, hier werden Spekulationsblasen aufgepumpt. Auf der anderen Seite aber werden die einfachen Sparer enteignet. Wer in Sparbriefen, -büchern und Lebensversicherungen engagiert ist, hat bei der Vermögensbildung wie bei der Altersvorsorge den Anschluss verloren. Reiche dagegen profitieren vom Börsen- und Hausbauboom, weil sie hier einen Teil ihres Geldes anlegen. Die mittleren und niedrigen Einkommensbezieher werden doppelt bestraft – sie bezahlen die Geldpolitik, von der sie kaum profitieren. So sorgt die EZB für wachsende Ungleichheit und für Instabilität im Euroraum.


Schlimmer noch: Das Zusammenspiel der großen Notenbanken der Welt verschärft die Krisengefahr, statt sie zu lindern. Während der Euro billig geworden ist, haben andere Währungen an Stärke gewonnen, allen voran der US-Dollar. Für viele Schwellenländer, die sich zu niedrigen Zinsen in den USA verschuldet haben, wird das zu einem existenziellen Problem. Sie können ihre Kredite zu den neuen Wechselkursen kaum noch zurückzahlen. Das alles ist der EZB natürlich bekannt. Institutionen wie die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich und der Internationale Währungsfonds warnen vor den wachsenden Risiken.
Die Party muss beendet werden. Doch wie schon vor der großen Finanzkrise will auch jetzt niemand der Erste sein, der die Bowleschüsseln vom Tisch räumt.

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