Meinung : „Niemand will eine islamische

Clemens Wergin

… Regierung, die der im Iran ähnelt.“

Nun hätte es ihn auch fast erwischt. Sechs Brüder von Abdul Asis al Hakim hat Saddam Hussein ermorden lassen. Kurz nach dem Irakkrieg fiel ein weiterer Bruder, Mohammed Baqir, der charismatische Führer des „Obersten Rates für die Islamische Revolution im Irak“ einem Anschlag zum Opfer. Am Montag sollte Abdul Asis dasselbe Schicksal erleiden, der Selbstmordattentäter hat ihn nur knapp verfehlt, aber Zivilisten und Leibwächter von al Hakim in den Tod gerissen.

Der medienscheue al Hakim gilt als einer der Kandidaten, die nach der Wahl am 30. Januar die Macht im Irak übernehmen könnten. Weil er nicht nur eine starke Hausmacht hat – seine im iranischen Exil gegründete Badr-Miliz soll über 100 000 Kämpfer verfügen –, sondern auch auf Listenplatz eins der wichtigsten schiitischen Partei steht, der „Vereinten Irakischen Allianz“. Die Allianz ist eine Sammelbewegung von säkularen und religiösen Kandidaten der schiitischen Mehrheit, die sich auf Druck von Großajatollah Ali al Sistani zusammenfanden. Allerdings weiß niemand, was man von al Hakim zu erwarten hat und wie eng seine Beziehung zu Teheran noch ist. Sicher, eine Mehrheit der schiitischen Geistlichen im Irak lehnt den iranischen Gottesstaat ab. Andererseits sagte al Hakim kürzlich in einem Interview, „wir dürfen kein Gesetz verabschieden, das islamischen Normen widerspricht“. Glücklich sind die Amerikaner nicht mit al Hakim. Aber zumindest ist er kein gewalttätiger Heißsporn wie Muktada al Sadr. Selbst die Anhänger von al Hakim geben zu, dass es ihm an Charisma mangelt. Es ist also nicht zu befürchten, dass aus einem Ministerpräsidenten al Hakim ein massenwirksamer Volkstribun würde, der die Iraker gegen die US-Truppen aufhetzt.

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