No Bankrott : Die Zahlen zum griechischen Staatsdefizit erhellen nichts

Nicht 165, sondern 170 Prozent beträgt die griechische Schuldenquote, erklärt Eurostat. Diese Zahlen suggerieren eine Präzision, die es bei der Analyse der griechischen Probleme gar nicht geben kann.

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"There will be no Staatsbankrott", haspelte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich. Foto: dapd
"There will be no Staatsbankrott", haspelte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kürzlich.Foto: dapd

Der Erkenntnisgewinn, den die neueste Statistik über die Lage Griechenlands vermittelt, geht gegen null. Ob die Schuldenquote im vergangenen Jahr nun 170,6 oder 165,3 Prozent der Wirtschaftsleistung betrug, verändert die Lage kein bisschen. Und die ist, wie hinlänglich bekannt, leider miserabel. Die Schuldenquote steigt, wenn die Wirtschaft schrumpft – selbst wenn die Verschuldung in absoluten Zahlen nicht oder nur wenig steigt, so will es die Mathematik. Es gilt also, bei Zähler und Nenner für bessere Zahlen zu sorgen: raus aus den Schulden und raus aus der Rezession. Vor allem aber gilt es, Geduld zu haben. Der Prozess der wirtschaftlichen Genesung Griechenlands wird im besten Fall einige Jahre dauern. Dabei helfen ständig neue Berechnungen des Grauens nicht weiter. Der IWF etwa glaubte jüngst zu wissen, die Schuldenquote in Griechenland werde in fünf Jahren 152,8 und nicht die geforderten 137,3 Prozent betragen. Absurd ist die vermeintliche Exaktheit, die solche Prognosen vorgaukeln. Richtig ist nur, dass Griechenland mit ziemlicher Sicherheit auch im Jahr 2017 noch nicht über den Berg ist. „There will be no Staatsbankrott“, hatte Wolfgang Schäuble gesagt. In Ordnung – und jetzt bitte alle an die Arbeit, vor allem in Griechenland.

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