Nobelpreisträger Muhammad Yunus : "Armut gehört ins Museum"

Als "Bankier der Armen" wurde er mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Nun reichte reichte Muhammad Yunus in Bangladesch Klage beim Höchsten Gericht ein – gegen den Rauswurf bei seiner eigenen Bank.

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Seine Idee, Minikredite an Mittellose zu vergeben, hat weltweit Schule gemacht. Mit den Darlehen sollten sich die Ärmsten eine Existenz aufbauen können. Vier Jahrzehnte hat Muhammad Yunus für dieses Ziel gekämpft. 2006 erhielt er den Friedensnobelpreis, wurde weltweit gefeiert und in seiner Heimat Bangladesch beinahe als Volksheld verehrt. „Armut gehört nicht in eine zivilisierte Gesellschaft. Sie gehört ins Museum“, hat Yunus gesagt. Doch nun muss der „Banker der Armen“ um sein Lebenswerk kämpfen.

Am Donnerstag reichte er Klage beim Höchsten Gericht ein – gegen den Rauswurf bei seiner eigenen Bank. Die Regierung hatte ihn am Vortag als Chef der Grameen-Bank gefeuert, die er selbst 1983 gegründet hatte. Der 70-Jährige sei zu alt, hieß es. Überraschend kam der Schlag nicht. Regierungschefin Sheikh Hasina möchte den unbequemen Ökonomen mit den weißen Haaren schon länger loswerden. Er ist für sie zur Gefahr geworden, seit er sich in die Politik einmischt und die Korruption der politischen Klasse öffentlich anprangert. 2007 gründete er vorübergehend seine eigene Partei. Millionen Menschen haben bei ihm einen Kredit aufgenommen, damit ist er ein Machtfaktor. Sheikh Hasina fordert nun 60 Prozent der Anteile an Grameen für die Regierung ein. Kleinkredite sind in Südasien ein klassisches Wahlgeschenk, um die Armen zu ködern.

Seit Monaten läuft eine Schmutzkampagne gegen Muhammad Yunus. Öffentlich beschimpft Scheikh Hasina den Banker als „Blutsauger der Armen“. Nun ist auch Yunus gewiss nicht ohne Fehl und Tadel. Er genoss es, sich im Rampenlicht zu sonnen und bei den Mächtigen der Welt ein- und auszugehen. Aber einen solch schmachvollen Abschied hat er nicht verdient, schon gar nicht in einem Land, in dem sich die Mächtigen seit Jahrzehnten schamlos auf Kosten der Armen bereichern.

Sheikh Hasina hat die Zeit für Yunus’ Demontage klug gewählt: Weltweit wachsen die Zweifel, ob Kleinkredite wirklich die Wunderwaffe im Kampf gegen die Armut sind, als die der Banker sie anpreist. Das Geschäft boomt, auch Privatbanken sind auf den Zug aufgesprungen. Ihre Drückerkolonnen treiben oft mit rabiaten Methoden Zinsen ein. Für Yunus ist das bitter. Er muss nicht nur mitansehen, wie seine Idee in Verruf gerät. Nun muss er auch fürchten, dass sein eigenes Lebenswerk zerstört wird. Seine Zukunft und die seiner Bank liegen nun in den Händen der Richter.

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