Meinung : Noch ein Scheibchen

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Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt ist ein umsichtiger Interessenvertreter. Scharfe Töne liegen ihm nicht, er vertritt seine Positionen in der Regel klar, aber maßvoll. Das war auch gestern so. Etwa, als er eine stärkere Frühförderung in Kindergärten und Schulen verlangte. Oder als er warnte, die Ergebnisse des Jobgipfels durch faule Kompromisse zu gefährden. Dieter Hundt hat aber leider auch einen weiteren Grund dafür geliefert, dass die Menschen quälende Zweifel an einer einigermaßen berechenbaren Zukunft haben. Dieter Hundt forderte nämlich auch ein Umsteuern in der Familienpolitik und eine Abschaffung der dreijährigen Jobgarantie für Mütter – die gehe an der betrieblichen Realität vorbei. Wahr ist: In weiten Teilen Deutschlands kann man Kleinkinder nicht vor dem vollendeten dritten Lebensjahr in einen Kindergarten geben. Deshalb bleiben viele Mütter und auch manche Väter so lange zu Hause. Befristete Vertretungen an der Arbeitsstelle zu finden, ist heute kein Problem. Was würde passieren, wenn es die Jobgarantie nicht mehr gäbe? Die Mütter hätten noch weniger Chancen, jemals wieder in den Beruf zurückkehren zu können. Eine der Ursachen des Ansehensverlustes der Bundesregierung war über Jahre hinweg ihre Unberechenbarkeit in der Sozialpolitik. Die Arbeitgeber verspielen jetzt ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie immer wieder, kaum dass eine Forderung erfüllt ist, zwei neue nachreichen. apz

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