Meinung : Nordengland: Wiederentdeckung der Langsamkeit

mth

Vor einer Woche feierte Bradford ein Multikulti-Fest für die Südostasiaten der Stadt. 130 000 tanzten und aßen miteinander - wie jedes Jahr ein Musterbild des multikulturellen Großbritannien. Und nun das: Hunderte Pakistani, Bengali und Bangladeshi liefern sich Straßenschlachten mit der Polizei. Messer werden gezückt, Autos angezündet. Niemand bezweifelt: Es waren die Rassenhasser der British National Party, die in den letzten Monaten Kommunen in Oldham, Burnley und Bradford zum Aufruhr anstachelten. Auch die Krawalle in Bradford haben sich an einer Demonstration weißer Faschisten entzündet. Politisch jedoch spielt der Einwandererhass in Großbritannien im Vergleich mit Frankreich, Deutschland oder Österreich keine Rolle. Die britische Gesellschaft ist sich einig über ihren ethnischen Mischcharakter und die Formen multikultureller Integration. Doch sieht man an den Nachgeborenen nun, dass dieser Weg beschwerlich ist und sich über Generationen hinzieht. Sie haben sich ihren in den Heimatländern verwurzelten Eltern entfremdet, ohne in der neuen Heimat Fuß zu fassen. Arbeitslosigkeit, Chancenarmut und das Gefühl, nicht mitreden zu dürfen, steigern das Gefühl der Fremdheit noch. Die Krawalle beweisen nicht, dass das britische Modell nicht funktioniert. Sie zeigen nur, wie viel noch zu tun ist im verarmten industriellen Norden Großbritanniens.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben