Meinung : Nordirland: Hass ohne Grenzen

ali

In ihrer fast dreißigjährigen Gewaltorgie hat es die IRA nicht geschafft, den Ruf ihrer katholischen Glaubensbrüder derart in den Schmutz zu ziehen, wie es nun einer winzigen Gruppe protestantischer Betonköpfe für die eigene Seite mühelos gelungen ist. Die Bewohner einer protestantischen Enklave in Nordbelfast haben mit ihrer Kampagne gegen wehrlose katholische Schulmädchen unermesslichen Schaden angerichtet. Die Kinder haben in den letzten drei Tagen mehr über das Gift der gesellschaftlichen Spaltung und des konfessionellen Hasses gelernt, als sie bewältigen können. Die Anstifter sehen sich auch nach dem Bombenanschlag auf kleine Kinder unverändert als Opfer, aber die Reihen ihrer Verbündeten lichten sich. Quer durch das protestantisch-unionistische Spektrum findet eine Absetzbewegung statt. Denn viele Protestanten wissen, dass die Aktivitäten ihrer Glaubensbrüder kontraproduktiv sind. Nordirland liefert genügend Beispiele dafür, dass Gewaltanwendung gelegentlich die erwünschten politischen Früchte trägt. Es wäre unrealistisch, diese unangenehme Einsicht zu leugnen. Aber wenn erwachsene Männer mit Schaum vor dem Mund kleine Mädchen unflätig beschimpfen, und wenn anonyme Paramilitärs Mordanschläge auf Kinder verüben, dann verschwindet das Bedürfnis der Außenstehenden, sich über die Motive der Angreifer kundig zu machen. Es müsste die vornehmste Aufgabe aller seriösen protestantischen Politiker sein, ihren katholischen Mitbürgern zu versichern, dass die Zukunft Nordirlands nicht auf solchen Szenen erbaut werden soll.

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