Meinung : Nordirland: Oraniermärsche in Nordirland

ali

Im Sommer schlagen sich die Nordiren gegenseitig aufs Haupt. Der Wahn verfliegt im Laufe des August, dann wird man wieder sachlich, bisweilen gar versöhnlich. Morgen marschiert der protestantische Oranierorden in Portadown mal wieder in die Sackgasse: Britische Soldaten werden die Männer mit Schirm und Melone, denen jeglicher Charme abgeht, daran hindern, durch das katholische Wohnviertel zu paradieren. Sie werden trotzen und vielleicht auch wüten, und geraten damit immer deutlicher in den Bannkreis der protestantischen Killerkommandos. In diesem Sommer steht das jährliche Ritual indessen unter einem besonderen Vorzeichen, denn die Provinzregierung existiert nur noch auf Abruf, seit ihr Chef David Trimble aus Protest gegen ausbleibende IRA-Waffenabgabe zurücktrat. Nächste Woche wollen die beiden Premierminister, der Brite Tony Blair und der Ire Bertie Ahern, den nordirischen Politikern Daumenschrauben anlegen, damit Nordirland wieder eine politische Zukunft hat. Doch die Vergangenheit wird lustvoll zelebriert, am nächsten Donnerstag marschieren nochmal Zehntausende stramme Ordensbrüder in ganz Nordirland. Auf die Dauer kann es nicht angehen, dass im Notfall immer die beiden Premierminister eingreifen und den Nordiren das schweißnasse Händchen halten. Man kann das Pferd bloß zum Brunnen führen - trinken muss es selber.

0 Kommentare

Neuester Kommentar