Meinung : Nordirlands Selbstverwaltung: Politik statt Geschichte

ali

Erbaulich waren die Szenen nicht gerade, die da aus dem spät-wilhelminischen Prunk-Parlament von Belfast an die Öffentlichkeit drangen: Nicht genug damit, dass der ehemalige und nun gerade wiedergewählte Chefminister David Trimble am Freitag den Dolchstoß aus den eigenen Reihen empfing, nicht genug damit, dass Pfarrer Paisleys rabiate und kindische Horden jeden Sabotagetrick ausprobierten; nein, als Trimble dann gestern endlich gewählt war, brachen im Foyer gleich noch Handgreiflichkeiten unter den Abgeordneten aus. Und zwischendurch wurden ein paar Regeln zurechtgebogen, damit die Selbstverwaltung Nordirlands gerettet werden konnte. In diesem Falle heiligt der Zweck wohl die Mittel, aber das Ansehen der demokratischen Institutionen hat bestimmt Schaden gelitten. Jetzt allerdings muss die Regierung zeigen, dass sie verträglich arbeiten kann. Und es war in den letzten turbulenten Tagen schon zu spüren, dass die Gutwilligen zusammenrückten, ungeachtet ihrer parteipolitischen oder gar konfessionellen Herkunft. Über die Zweiteilung zwischen Katholiken und Protestanten legt sich eine neue Gruppenzugehörigkeit: für und wider das Friedensabkommen. Die konstruktiven Kräfte haben wie die Löwen für den Neubeginn gekämpft und gewonnen. Endlich regiert die Politik, nicht mehr die Geschichte.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben