Nordkorea : Kim und die Marionettenarmee

Der nordkoreanische Diktator droht dem Süden: Es sind die Muskelspiele eines Geschwächten. Das Land ist abgewirtschafteter als je zuvor.

Bernhard Bartsch

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il tut wieder einmal, was er am besten kann: provozieren. Am Montag versetzte er seine Streitkräfte in volle Kampfbereitschaft und kündigte an, die koreanische Halbinsel befände sich am „Vorabend eines Krieges“. Das Rote Telefon, das im Krisenfall einen direkten Draht zwischen Pjöngjang und Seoul aufrechterhalten soll, stöpselte er aus.

Zwar kann Kim durchaus auf einen Anlass für seinen Ärger verweisen. Insgesamt 56 000 Soldaten der USA und Südkoreas begannen am Montag ein zwölftägiges Gemeinschaftsmanöver, um sich auf einen eventuellen Krieg mit Nordkorea vorzubereiten. Allerdings finden die Übungen regelmäßig statt und hatten in vergangenen Jahren einen weitaus diplomatischeren Protest nach sich gezogen. Diesmal warnte Pjöngjang „die US-Imperialisten und die Kriegstreiber der südkoreanischen Marionettenarmee“ vor einem Angriff. Sollte eine nordkoreanische Trägerrakete beschossen werden, „bedeutet das Krieg“, zitierte die Staatsagentur den Generalstab der Volksarmee.

Inzwischen hat Nordkorea seine Grenze wieder geöffnet. Mehr als 220 Personen überquerten am Dienstag von Süden aus die Grenze, um zu ihren Arbeitsplätzen in der nordkoreanischen Stadt Kaesong zu gelangen. Diese sind für Nordkorea eine wichtige Devisenquelle.

Diesmal scheint Kim jedoch eine Verschlechterung der Beziehungen ausdrücklich herbeizusehnen. Seit Monaten lässt er keine Gelegenheit aus, um den Ton gegenüber dem Süden zu verschärfen. Dahinter könnten sich die Muskelspiele eines Geschwächten verbergen: Nachdem der Diktator vergangenes Jahr monatelang krankheitsbedingt verschwunden war und bereits über einen Schlaganfall oder gar seinen Tod spekuliert worden war, dürfte er nun seine Macht unter Beweis zu stellen versuchen. So hat Nordkorea angedeutet, während der amerikanisch-südkoreanischen Manöver einen seit Wochen angekündigten Raketentest durchführen zu wollen.

Kim hat solche Machtspiele nötig, denn sein Land ist abgewirtschafteter als je zuvor, die Lebensmittelversorgung so schlecht wie seit Jahren nicht mehr. Allerdings darf man davon ausgehen, dass der Diktator nicht auf seine eigene Propaganda hereinfällt. Der gewiefte Machttaktiker weiß, wie desolat sein Land dasteht, und dass es im Kriegsfall mit seinen Atombomben zwar unter Umständen ungeheure Zerstörung anrichten, aber niemals gewinnen könnte.

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