Norwegen : Wir vorher

Norwegen hat sich nach dem Terrorakt nicht so sehr verändert, wie man es hätte erwarten, erhoffen oder befürchten können. Teils ist das ein Kompliment, die Norweger glauben unverändert an ihren betont humanen Rechtsstaat. Zugleich sind die norwegische Gesellschaft und ihre Debatten so wenig offen und pluralistisch wie vor den Anschlägen. Polizei, Geheimdienst und auch der gefeierte Ministerpräsident Jens Stoltenberg haben den skandalös unprofessionellen Einsatz in Oslo und Utöya nie wirklich aufgearbeitet. Weder Stoltenberg noch sonst wirklich jemand hat die ablehnende Haltung vieler Norweger gegenüber den Einwanderern offen thematisiert. Die ausländerfeindliche Fortschrittspartei (FRP), deren aktives Mitglied Anders Breivik lange war, muste nach dem Massaker empfindliche Verluste hinnehmen. Laut neuester Umfragen ist die FRP wieder bei 22,8 Prozent und damit zweitstärkste Kraft im Lande. Wenn die Trauer überwunden ist, muss die Aufarbeitung beginnen. Norwegen muss lernen, kritischer zu werden. Wenn das Land sich wirklich mit den Fragen beschäftigt, die die Anschläge vor einem Jahr aufgeworfen haben, könnte das schwerste Jahr Norwegens seit Ende des Weltkrieges doch zu einem Neustart für die norwegische Demokratie des Landes führen. anw

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