NSA und Snowden : Andersdenkende

Da prallen Weltsichten aufeinander. Für viele Deutsche ist Edward Snowden ein Freiheitsheld, der für den Schutz vor Überwachung eintritt. Für die meisten Amerikaner und ihre Abgeordneten hingegen ist er ein Rechtsbrecher, der mit seinem Verrat amerikanische Soldaten im Auslandseinsatz gefährdet. Diese Sicht ist nicht nur im rechten Lager in den USA verbreitet, auch viele Demokraten teilen sie. Ähnlich verliefen die Bruchlinien zwischen Deutschen und Amerikanern, als Wikileaks Diplomatenkabel und Einsatzberichte des Militärs veröffentlichte. Auch damals warnten die USA, so würden Informanten enttarnt und in Lebensgefahr gebracht. Gehör fanden sie freilich nur bei Medien, die intensive Erfahrung mit so brisantem Material haben; sie schwärzten Namen und andere Details, die auf Identitäten schließen lassen. Wikileaks-Anhänger neigten dazu, solche Klagen als Gegenpropaganda abzutun. Das Muster der Reflexe wiederholt sich jetzt: Die meisten Amerikaner folgen der These des Kongressausschusses, Snowden bringe Soldaten in Gefahr. Viele Deutsche werden das belächeln. Die gespaltene Wahrnehmung kann als Vorwarnung dienen. Hierzulande erwartet man substanzielle Änderungen, wenn Barack Obama demnächst neue Vorgaben für die Geheimdienste verkündet. Doch er und die meisten US-Bürger glauben wirklich, dass die Überwachung der Kommunikation ihr Land sicherer macht. cvm

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