Meinung : Nummer eins in Reserve

Zur Machtfrage in der Union: Ist Merkel Koch wirklich los?

Stephan-Andreas Casdorff

Die K-Frage in der Union ist offener, als Angela Merkel lieb sein wird. Noch ist sie nicht Kanzlerkandidatin – denn Roland Koch hat auf eigene Ambitionen nicht verzichtet. Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dann hat ihn der Landesparteitag der Hessen-CDU geliefert: Koch, der eiserne Roland, hat nur gesagt, dass von ihm keine eigene Initiative dazu ausgehen wird. Das klingt, als wolle hier einer etwas provozieren.

Zwar kann Merkel als CDU- und Unionsfraktionschefin von Amts wegen das Recht des ersten Zugriffs für sich reklamieren. Aber allein schon in ihrer Partei nehmen sich einige das Recht des Angriffs. In Hessen war es ja auch so, dass Koch Merkels Umgang mit Wolfgang Schäuble in der P-Frage, der Präsidentenfrage, offen kritisierte. Und dass er, sehr doppeldeutig, auf seine (unbestreitbaren) Erfolge als Ministerpräsident hinwies, trotz der Spendenaffäre, trotz der Lüge im Amt. Erfolge als Regierungschefin kann Merkel, einstmals Bonner Ministerin für Frauen und dann für Umwelt, nicht vorweisen. Das hat Koch so nebenbei auch deutlich gemacht. Und in der Geschichte der Union spielen die Ministerpräsidenten bei der Bestellung des Kanzlerkandidaten eine ganz besondere Rolle.

Die Hessen mit Koch an der Spitze, die Baden-Württemberger, noch mit Ministerpräsident Erwin Teufel, bald vermutlich mit Günther Oettinger, dem Fraktionschef im Stuttgarter Landtag: Es sind große und wichtige Landesverbände, die der CDU-Chefin nicht nur wohlgesonnen sind. Sie fühlen sich von ihr immer mal wieder düpiert. Schäuble, nicht zu vergessen, gehört mehr zur baden-württembergischen Befindlichkeit als Merkels Favorit Horst Köhler. Wenn Rechnungen beglichen werden, später, dann wird das in diesem Landstrich eine Rolle spielen. Da nehmen einige übel. Und diejenigen könnten sich mit denen in der CSU verbinden, die Merkel auch nicht wollen, die Riege hinter Edmund Stoiber zum Beispiel, an der Spitze Erwin Huber. Ohne ihn, den Minister, den Stoiber immer deutlicher heraushebt, wird Merkel nicht für die Union antreten können.

Koch hat mit seiner zweistündigen Rede vielmehr seine Ansprüche und Werte deutlich gemacht, auch seinen – in Abgrenzung zu Merkel – mitfühlenden Politikstil. Seine Agenda reichte vom globalen Terrorismus bis zum Kopftuchverbot in Schulen. So stark wie Koch ist in der CDU kein anderer – Mann. Und wenn im Bundestagswahljahr 2006 die Umfragen nicht der Frau als Spitzenkandidatin eine größere Chance gegen, vermutlich, Gerhard Schröder geben, dann ist Roland Koch die Nummer eins in Reserve: die K-Frage, mal anders.

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