Meinung : „Nur auf den Sieg kommt es an“

Christoph von Marschall

Schon Bill Clinton durfte ihm dankbar sein. Rahm Emanuel hat ihm die Präsidentschaft 1992 gesichert. Der damals 32 Jahre junge Finanzdirektor im Wahlkampfstab riet Clinton im Vorwahlkampf 1991, sich auf das Sammeln von Wahlspenden für die millionenteure Werbeschlacht im Fernsehen zu konzentrieren. Andere Berater drängten, der Begegnung mit Wählern in New Hampshire Vorrang zu geben. Die Primary dort, die Vorwahl, setze die Dynamik; Clinton müsse siegen, um im Rennen zu bleiben. Clinton folgte nach langer Debatte Emanuel – und gewann. Dem gefährlichsten Rivalen, Paul Tsongas, ging das Geld zu früh aus.

Auch bei der Kongresswahl hat Rahm Emanuel sein Gespür für die richtige Strategie bestätigt, er ist der Architekt des Sieges der Demokraten. Howard Dean, als Chef des Nationalen Demokratischen Komitees offizieller Generalstratege der Partei, wünschte eine 50-Staaten- Taktik: Die Demokraten müssten überall dazugewinnen, um sich für 2008 zu positionieren. Emanuel, Strategiebeauftragter für die Kongresswahl, widersprach: Wir konzentrieren uns auf Schlüsselwahlkreise, die uns den Gesamtsieg schenken. Er ist scharfzüngig und ein erfolgreicher Spendensammler. Sie nennen ihn „Rahmbo“.

Die Eltern sind 1959, vier Monate vor seiner Geburt, aus Israel nach Illinois eingewandert und haben ihm einen ehrgeizigen Namen gegeben. Rahm bedeutet „hoch“. Der Vater ist Kinderarzt im Umland von Chicago, zu Hause wurde Hebräisch gesprochen. Rahm Emanuel ist gelernter Balletttänzer und hat damit einige Zeit sein Geld verdient. Obwohl man ihm ein Stipendium für die weitere Tanzausbildung anbot, schlug er Anfang der 80er Jahre einen anderen Weg ein, studierte Rhetorik und Kommunikation an der Northwestern Universität Chicago und sammelte in regionalen Wahlkämpfen der Demokraten Erfahrung. 1991 schloss er sich Clinton an, 1993 bis 1998 war er Berater für Politik und Strategie im Weißen Haus.

Nach drei Jahren als Investmentbanker wurde er 2002 zum Abgeordneten von Chicago Nord im Kongress gewählt. Als Lohn für seinen Einsatz möchte er jetzt „Majority Whip“ werden, der drittmächtigste Posten der künftigen Mehrheitspartei. Ein heikler Ehrgeiz: Sein Rivale ist James Clyborn, einziger Schwarzer in der Führung der Demokraten. Pikanterweise werfen Schwarze und Hispanics dem Juden Emanuel vor, er habe kein rechtes Gespür für Minderheiten.

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