Meinung : Nur die Chemie stimmt Bei Sanofi zeigen sich Schröder und Chirac einig. Und beim Irak?

Albrecht Meier

Sie passt nicht ganz zum harmonischen Bild der deutsch-französischen Freundschaft: die plötzlich ausgebrochene brutale Übernahmeschlacht zwischen zwei weltweit operierenden Pharmakonzernen , in denen viele Deutsche und Franzosen arbeiten. Das feindliche Angebot der französischen Firma Sanofi gegen den Giganten Aventis, der sich seinerseits den Frankfurter Hoechst-Konzern einverleibt hatte, löst ähnlich wie die deutsch-britische Übernahmeschlacht zwischen Vodafone und Mannesmann Emotionen aus: Nationalstolz, die Frage nach dem Sinn der europäischen Einigung und natürlich auch die Angst um Arbeitsplätze. Dennoch taten Kanzler Schröder und Frankreichs Präsident Chirac bei ihrem Treffen in Genshagen gut daran, auf eines hinzuweisen: Das Schicksal der beiden Firmen sollte vor allem Sache des Marktes sein.

Dem Kanzler sind zwar freundliche Modelle der wirtschaftlichen Zusammenarbeit nach dem Muster des Toulouser Luftfahrtkonzerns EADS lieber als unfreundliche Übernahmen. Dass er sich aber im Fall Aventis/Sanofi nicht nach Holzmann-Manier in die Bresche wirft, hat nicht nur mit seinem guten Verhältnis zu Jacques Chirac zu tun. Langfristig ist es für die Pharma-Branche am besten, wenn der Markt die Forschungs- und Entwicklungsmöglichkeiten der einzelnen Unternehmen offen legt. Eben dies tut die gegenwärtige Übernahmeschlacht.

Eine Gefahr für das deutsch-französische Verhältnis ergibt sich denn auch weniger aus dem Ringen der Firmen Sanofi und Aventis. Sondern eher aus der Debatte um einen Nato-Einsatz im Irak, wie er am vergangenen Wochenende beim Nato-Treffen und der Sicherheitskonferenz in München diskutiert wurde – sicher nicht zum letzten Mal in diesem Jahr. Auch wenn Schröder und Chirac bei ihrem Treffen im Brandenburgischen ihre gemeinsame Sicht der Irak-Politik beteuert haben: Es muss sich noch zeigen, ob Chirac im Verlauf dieses Jahres tatsächlich die „tiefe Skepsis“ teilt, von der Außenminister Joschka Fischer in München angesichts eines möglichen Nato-Einsatzes im Irak sprach.

Schröder und Chirac sind allerdings in der glücklichen Lage, dass noch sehr viel Wasser die Spree und die Seine herunterfließen wird, bevor die Nato tatsächlich die Gretchenfrage an ihre Bündnismitglieder stellen wird: Könnt oder wollt ihr Truppen für den Irak stellen? Einstweilen können es Deutschland und Frankreich bei ihrer gemeinsamen Linie belassen, irakische Polizisten auszubilden und beim zivilen Wiederaufbau im Irak mitzuhelfen. Es könnte aber sein, dass es Paris im Verlauf dieses Jahres nicht dabei bewenden lassen will.

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