Meinung : Nur eine Chimäre Von Hartmut Wewetzer

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In der griechischen Sage war die Chimäre ein Ungeheuer, das Ziege, Löwe und Drachen in sich vereinte. Es ist ein großer Sprung von der antiken Mythologie in ein Göttinger StammzellLabor. Dort pflanzten Forscher menschliche Nervenzellen in Affenhirne ein. Die Nervenzellen waren zuvor aus embryonalen Stammzellen gewonnen worden. Bei solchen Tieren von Chimären zu sprechen, heißt, den Begriff äußerst zu strapazieren. Der Affe blieb stets Affe. In diesem Sinn wäre auch jeder Mensch, der eine Blutkonserve oder ein Spenderorgan bekommt, eine Chimäre. Schließlich besteht er dann aus den Zellen und dem genetischen Material zweier verschiedener Lebewesen. Trotzdem hat der Göttinger Versuch einen Angstnerv getroffen. Denn es sind Experimente denkbar, bei denen ein echtes Mischwesen aus Mensch und Tier entstehen würde. So könnte man menschliche embryonale Stammzellen in einen frühen Primatenembryo einbringen. Diese Art von Versuchen ist natürlich abzulehnen.

Aber die Stammzellforschung verfolgt andere Ziele, als Frankenstein-Monster herzustellen. Ihr geht es darum, eines Tages schwere Hirnleiden wie Parkinson zu heilen. Dabei kommt man um Tierversuche mit menschlichen Zellen nicht herum. Aus ethischen Gründen verbieten sich solche Experimente am Menschen. Das zerstörerische Potenzial embryonaler Stammzellen ist noch zu groß. Erst, wenn man diese Zellen „gezähmt“ hat, können Forschung und Medizin sich an den Menschen wagen. Bis dahin ist es noch ein weiter Weg. Ihn bereits zu Beginn abzubrechen, weil menschliche Zellen in Versuchstieren wachsen, wäre ethisch höchst zweifelhaft. Deutschland würde ein Zukunftsgebiet der Medizin aufgeben und vielen Kranken die Chance auf Heilung rauben. Politiker beschwören gern die Bedeutung von Wissenschaft und Forschung – hier könnten sie beweisen, dass sie es ernst meinen.

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