Meinung : Nur kein Shuttle-Schock

Die Reise ins Weltall fasziniert noch immer – aber bringt sie uns weiter?

Paul Janositz

Ein klammes Gefühl hat wohl jeder, der den Start des Weltraumfähre „Discovery“ vor Ort oder im Fernsehen verfolgt. Zu deutlich steht noch das vor zweieinhalb Jahren beim Eintritt in die Erdatmosphäre verglühende Raumschiff „Columbia“ vor Augen. Und auch das Entsetzen über die beim Start explodierende Raumfähre „Challenger“ ist 19 Jahre nach der Katastrophe noch präsent. Am Mittwochabend steht in Cape Canaveral also das Leben auf dem Spiel, wenn sich die Crew unter Leitung der erfahrenen Astronautin Eileen Collins in die runderneuerte Raumfähre zwängt.

Ein neues Desaster würde wohl auch das vorzeitige Ende des Shuttle-Programms und der internationalen Raumstation ISS bedeuten, die ohne Zubringerflüge durch Raumfähren weitgehend unbrauchbar wäre. Das europäische Forschungslabor „Columbus“ bliebe als schwer verwertbarer Schrott auf Erden zurück.

Ist nun genügend für die Sicherheit getan worden? Der Aufwand war jedenfalls hoch. Bei keinem der bisher 118 Shuttle-Flüge hat es so viele Überprüfungen und Neuerungen gegeben. Das war auch dringend notwendig, denn die Untersuchungskommission zur „Columbia“-Katastrophe hatte die US-Weltraumbehörde Nachlässigkeit in puncto Sicherheit vorgeworfen. Der Forderungskatalog der Kommission wurde von der Nasa abgearbeitet. Der Flug sei sicherer als alle anderen zuvor, stellte der Kommissionsvorsitzende fest.

Doch absolute Sicherheit gibt es nicht, wenn sich Menschen in den Weltraum aufmachen. Die Technik, auf der die wiederverwendbaren Weltraumfähren aufbauen, ist in die Jahre gekommen. Ein neues Konzept für Weltraumflüge ist nicht in Sicht. Dabei würde es sich lohnen, eine clevere Technologie zu entwickeln. Denn die Shuttle- Technik ist nicht billig. Der Materialeinsparung steht ein immenser Wartungsaufwand gegenüber.

Nun steckt zwar die Nasa in großen finanziellen Schwierigkeiten, doch lässt sich der Nutzen der Raumfahrt nicht buchhalterisch bestimmen. Bedeutete der Aufbruch in den Weltall, den US-Präsident Kennedy nach dem Sputnikschock vor gut 50 Jahren verkündete, doch auch einen enormen Aufschwung für Wissenschaft und Technik, für Bildung. Gilt das auch heute noch? Taugt Weltraumtechnologie als Katalysator für Fortschritt?

Zweifellos hat die Satellitentechnik unser Leben verändert. Weltweite Kommunikation und Navigation wären ohne die Fähigkeit, Raketen zielgenau ins All zu befördern, nicht möglich. Bezüglich der bemannten Raumfahrt ist jedoch Ernüchterung eingekehrt. Wissenschaftliche Ergebnisse, die den Aufwand der Schwerelosigkeit rechtfertigten, sind nicht bekannt; wirtschaftlicher Nutzen ist nicht absehbar. Die Aussichten, auf Mond oder Mars Bodenschätze zu finden oder gar menschliche Siedlungen errichten zu können, sind mehr als vage.

Dennoch setzt der amerikanische Präsident George W. Bush auf den Bau von Stationen auf dem Erdtrabanten und dem Roten Planeten. Wäre es nicht sinnvoller, sich den auf der Erde zu lösenden Problemen zuzuwenden? Klimakatastrophe verhindern, Hunger bekämpfen, allen Menschen Zugang zu sauberem Wasser ermöglichen, wären nur ein paar Punkte auf der Agenda.

Auch die Forschung hat in den letzten Jahren die wichtigsten Ergebnisse weniger im Makro- als im Mikrokosmos erzielt. Die Entschlüsselung des Genoms, das Verständnis der Vorgänge in lebenden Zellen, der Ausbau der Nanotechnologie haben zu neuen Medikamenten geführt. Angesichts beschränkter Ressourcen sollten wir unsere Anstrengungen auf solche anwendungsorientierte Grundlagenforschung konzentrieren.

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