Meinung : Nur kritische Freunde sind gute Freunde

„Offen Reden mit Big Brother“

vom 5. November

Edward Snowden sei Dank für die Aufklärung. Die Ernüchterung im Verhältnis zu den USA sitzt tief. Die bedingungslose Gefolgschaft hat weder uns noch den USA gut getan. Das schlimmste Beispiel ist die Gefolgschaft im Afghanistankrieg. Die USA bestimmten die Kriegführung und machten – offenbar unwidersprochen – fast alles falsch. Das Bündnis mit den Verbrechern der Nordallianz; die Installierung eines korrupten, amerikahörigen Präsidenten; die Förderung der Korruption durch Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe; das rambohafte Vorgehen der Truppen; die gezielten Tötungen mit vielen unbeteiligten Opfern und schließlich die mangelnde Bereitschaft, mit den Taliban Verhandlungen aufzunehmen. Dieser unprofessionellen Kriegsführung hätten die anderen Bündnispartner energisch widersprechen müssen, so, wie es sich untern Freunden gehört.

Ein anderes Beispiel ist der Nato-Beschluss zur Modernisierung der Atomwaffen. Der Bundestag hatte 2010 den Abzug der restlichen 20 Atombomben in Deutschland (Büchel) beschlossen. Daraus wurde nichts, weil die Nato beschloss, die etwa 180 amerikanischen Atombomben in Europa mit einem Kostenaufwand von zehn Milliarden (!) Dollar zu modernisieren. Bei aller Bündnistreue, warum fügte sich die Bundesregierung so einfach, anstatt das Programm massiv infrage zu stellen? Ein fester, freundschaftlicher Widerspruch hätte dies vielleicht verhindern können.

Dr. Hans-Jürgen Schulze-Eggert,

Potsdam

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