Obama : Auf der Baustelle

Barack Obama, der Hoffnungsträger. Doch wo man auch hinschaut, Guantanamo, Nordkorea oder Afghanistan - es läuft nirgendwo gut. Wenigstens Obamas Lächeln hat sich noch nicht verändert.

Stephan-Andreas Casdorff

Barack Obama, US-Präsident. Lichtgestalt in dunkler Zeit. Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Wer sagt denn, dass deren Jahrhundert nicht erst begonnen hat, statt zu Ende gegangen zu sein? Als Obama vor Tausenden seinen Amtseid ablegte, nach vielen klugen, pathetischen, energischen Reden, nach Auftritten, die – siehe Berlin – Aufbruch verhießen über eine neue transatlantische Brücke.

Das war gestern. Wie lange ist er im Amt? 100 Tage plus x – und nicht mehr nur seine Gegner staunen über die Wandlung, die Verwandlung Obamas. George W. Bush tut gut daran, in seinem neuen Haus in Dallas zu schweigen; denn manches, was der Nachfolger tut, spricht nicht mehr nur gegen ihn. The times, they are a changing, singt Bob Dylan; und die Menschen ändern sich in ihnen.

Die Probleme werden zu einer Liste, und die wird länger. Wer hätte das gedacht. Das Lager Guantanamo zu schließen, erweist sich als schwierig, auch deshalb, weil so recht keiner diejenigen haben will, die dort einsitzen. Warum wohl? Weil es sein kann, dass doch etliche nicht ganz zu Unrecht … Solche Gedanken werden inzwischen zu Ende gedacht, nicht mehr nur von den Republikanern, Obamas Gegnern. Der hält es nun für opportun, um es vornehm auszudrücken, sich nicht zu weit von Bushs Linie zu entfernen. Die Folterbilder aus dem Gefängnis werden auch nicht veröffentlicht. Und Dick Cheney, der frühere US-Vize, muss wie all die anderen keine Anklage fürchten, obwohl er gerade das große Wort gegen den Präsidenten führt. Was in beiderlei Hinsicht erstaunlich ist.

Damit aber nicht genug. Wo auch immer man hinschaut in der Welt und die USA Interessen haben, ob in Nahost oder Asien, es läuft nirgendwo gut. Der irre Diktator mit der Bombe in Nordkorea dreht Obama eine Nase, und der weiß nicht so genau, wie er darauf reagieren soll außer mit einem Appell an die Verbündeten, gemeinsam vorzugehen. Die Lage in Afghanistan wendet sich nicht zum Besseren, und es ist nicht ausgemacht, dass die Verbündeten dort dem Appell folgen, sich mehr zu engagieren. Mit mehr Soldaten, wohlgemerkt. In Pakistan wendet sich die Situation gleich zum Schlechteren, die Strukturen werden brüchig; und das in einem Staat mit Atomwaffen, einem, den die USA zum Kampf gegen den Terror dringend brauchen. Auch hier hat Obama so erfolg- wie ergebnislos gewarnt. Im Nahen Osten sitzt Benjamin Netanjahu als israelischer Premier, und mit dem wird der US-Präsident auch nicht mehr so schnell gut Freund. Der Siedlungsbau wird, welch ein Affront, nicht endgültig gestoppt, von einer realen Zwei-Staaten-Lösung mit den Palästinensern hält Netanjahu auch nicht so viel wie Obama.

Bleibt Europa. Europa? Weit gefehlt. Nicht nur, dass beim Klimaschutz entgegen allen Erwartungen bisher nichts zusammengeht, das Klima ist auch sonst bedroht. Weil die US-Administration auf wichtigen Posten immer noch nicht besetzt ist, musste die Bundesregierung zum Beispiel einen tariffähigen Ansprechpartner in Sachen GM und Opel suchen. So entwickelt sich ein Unmut, der zugleich alle anderen multilateralen Ansätze beeinträchtigen kann. Dazu kommt, dass weder die Kanzlerin zum Antrittsbesuch beim amerikanischen Freund in Washington war, noch ist der Bundespräsident, jetzt in der zweiten Amtszeit, bisher ein Mal dort gewesen.

Barack Obama. Hoffnungsträger. Er trägt daran. Aber dieses Lächeln! Wenigstens das ändert sich nicht.

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