Obama-Besuch : Hyper, hyper

Love and Peace - Barack Obama ist an der Siegessäule ganz genau richtig. Immerhin wurden dort schon große Reden gehalten, zum Beispiel 1997:"Hallo! Juchuu! Ich bin’s, Dr. Motte! Willkommen auf der Abschlusskundgebung der Loveparade."

Lorenz Maroldt

Und jetzt: die Glosse zur Posse. Oder soll man den transatlantischen Dilettantismus zur großen Obama-Show etwa ernst nehmen?

An der Siegessäule also. Nicht am Brandenburger Tor, das ja seit dem Gig von Brutalo Bushido beim Bravo-Konzert gegen Jugendgewalt und der Fanmeilenbierdusche von Olli Pocher beim nationalen Finalniederlagenfeiern als geschändet gilt. Nicht am Gendarmenmarkt, der seit dem Open-Air-Klassikfestivalmassaker beim Auftritt der Scorpions mit den Symphonikern 2002 auf ewig für Beiträge zur Zukunft entweiht ist. Nicht am Flughafen Tempelhof, wo Friedbert Pflüger, verkleidet als Prinz Pilot, die versammelte Festgemeinde mit Rosinen beworfen hätte.

Nein, es ist die Siegessäule. Auch ein schöner Ort, an dem schon große Reden gehalten wurden, immer im Juli. Von diesem Platz aus gingen vor hunderttausenden Verzückten weise Worte in die Welt, zum Beispiel 1997:„Hallo! Juchuu! Ich bin’s, Dr. Motte! Willkommen auf der Abschlusskundgebung der Loveparade. Let the sun shine in your heart! Unser Wunsch ist, dass Frieden auf der Erde ist, also schaffen wir die Grundlage für eine friedliche, sonnige und glückliche Zukunft. Für unsere Freunde und unsere Familien und alle, die wir lieb haben, und alle, die wir nicht lieb haben. Denn die, die wir nicht lieb haben, haben wir einfach lieb.“

Man sieht also, dass die Entscheidung von Obamas Leuten für die Siegessäule letztlich auch eine sehr pragmatische ist. Kein Gemecker von Merkel, keine Verwechslungsgefahr mit Reagan, und Redemanuskripte liegen auch schon vor. Nur die Anrede müsste leicht angepasst werden, und das Motto – „Friede, Freude, Eierkuchen“ – sollte auf „Sauerkraut“ enden.

Auch nicht schlecht ist diese Ansprache, ein paar Jahre später am selben Ort vom Loveparade-Präsidenten Dr. Motte gehalten: „Mit Kriegen löst man keine Probleme. Mit Terror überzeugt man niemanden. Mit Egoismus und Vorurteilen schafft man keine lebenswerte Welt. Die Alternative kann nur heißen: Liebe und Respekt. Verständigung und Geduld. Hunderttausende feiern friedlich zusammen. Ohne Unterscheidung von Hautfarbe, Religion oder Sprache. Denn uns verbindet etwas, was jeder versteht: unser Sound. Unser Respekt. Unsere Liebe. Lasst uns heute auch ganz praktisch anderen helfen. Wir unterstützen Hilfsorganisationen im Irak. Wenn ihr unser cooles Loveparade-Schlüsselband kauft, geht ein Teil des Geldes direkt an die Kriegsopfer im Irak. And now: Let’s party!“

Ziemlich brauchbar oder etwa nicht? Obama müsste nur der Glaubwürdigkeit wegen eine neue iPod-Liste veröffentlichen, bei der unter all die Dylans und Stones und Springsteens ein bisschen Scooter gemischt wird, Hyper, hyper, Move Your Ass.

Fünfmal werden wir noch wach, heißa, dann ist B.-O.-Tag. Es sei denn, der Tag wird noch mal verschoben, wie zuvor der Ort. Oder gleich der ganze Redner. Die Siegessäule wurde ja auch schon verschoben, 1939. Bis dahin stand sie – ganz nah am Brandenburger Tor.


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