Obamas Führungsteam : Die einen stark, die anderen lieb

Barack Obama will produktive Konkurrenz – aber nicht um den Preis effektiven Regierens.

Christoph von Marschall

Wer ein Führungsteam um sich aufbaut, will beides: Kompetenz und Ideenreichtum, aber auch Harmonie und Loyalität. Beides zusammen ist nur schwer zu haben, die Ziele stehen in einem gewissen Widerspruch. Eine Gruppe dominanter Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Lebenswegen und Erfahrungen produziert im Zweifel eine breitere Palette an Lösungsansätzen für drängende Probleme als eine Mannschaft aus Menschen, die einen ähnlichen Hintergrund haben und schon seit geraumer Zeit in festgelegter Hierarchie dem selben Chef zuarbeiten, zum Beispiel in einer Präsidentschaftskampagne. Das heterogene Team mit starken Egos hat jedoch auch ein höheres Konfliktpotenzial.

Barack Obama hat keine Angst vor starken Charakteren, er ist selber einer. Er hat noch niemanden offiziell nominiert, aber in den Medien nimmt sein Kabinett allmählich Gestalt an, unter Berufung auf Obamas Umgebung. Als Schlagwort für die Geisteshaltung macht seit Tagen „Team of Rivals“ die Runde, in Anlehnung an eine populäre Lincoln-Biographie. Der Präsident, der die USA durch den Bürgerkrieg führte und die Sklaverei abschaffte, ohne eine Spaltung in Nord- und Südstaaten zuzulassen, gehört neben John F. Kennedy zu Obamas Vorbildern.

Der sichtbarste Ausdruck einer Regierung aus Rivalen mit starken Egos – und nicht aus loyalen Wegbegleitern – wäre die Ernennung Hillary Clintons zur Außenministerin. Mit ihr hatte sich Obama einen langen Kampf um die Präsidentschaftskandidatur geliefert.

Kreative Konkurrenz ist aber nicht das einzige Prinzip bei der Regierungsbildung – und keines, das Obama um jeden Preis verfolgt. Larry Summers wird offenbar nicht Finanzminister, er gilt als zu arrogant und als schlechter Teamspieler. Timothy Geithner, der Favorit für den Job, ist sowohl kompetent als auch umgänglich. Daneben hält sich Obama an den üblichen Proporz. Ein Afroamerikaner, Eric Holder als Justizminister, war die erste Personalie, die durchsickerte. Es wird weitere Frauen im Kabinett geben, etwa Janet Napolitano für Homeland Security.

„Team of Rivals“ ist einer von mehreren Leitgedanken. Obama weiß: Gute Ideen sind nur ein Teil der Arbeit. Sie müssen umgesetzt werden. Dafür braucht es diskrete Kooperation. Zu viel Streit lähmt.

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