Obernitz und der Masterplan : Berlin könnte kommen

Das Kleine groß reden ist ein Spezialität der Berliner Politik. Traditionell. Große Klappe und nicht viel dahinter. Seit ein paar Jahren haben die Wirtschaftspolitiker die Industrie wiederentdeckt, weil allein mit Dienstleistungen eine Stadt mit dreieinhalb Millionen Einwohnern nicht gut leben kann. Nun stimmen sie also bei jeder Gelegenheit Hymnen auf die Industrie an – damit ein Klima entstehe, in dem produzierende Firmen gedeihen mögen. Es gibt Nachholbedarf, denn verglichen mit ähnlichen Ballungsräumen fehlen in Berlin rund 90 000 Industriejobs. Da aber, über den Daumen gerechnet, ein Industriearbeitsplatz drei weitere im Handwerk und bei Dienstleistungen nach sich zieht, haben wir eine große Lücke auf dem Arbeitsmarkt. Tatsächlich hat die Stadt in den ersten 15 Jahren nach der Einheit 240 000 Arbeitsplätze verloren, die meisten davon in der Industrie. Seit 2005 ist das anders, es geht behutsam bergauf. Unter dem linken Wirtschaftssenator Harald Wolf wurde die Industrie und die Pflege der ansässigen Firmen zum Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik. Die Nachfolgerin Sybille von Obernitz setzt das fort, mit den üblichen zweckoptimistischen Tönen: „Berlin ist im Kommen.“ So wird aus dem mickrigsten Aufschwung ein toller Erfolg. Für die Politik. alf

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