Öffentliche Alkoholverbote : Ernüchterungseffekt

Freiburg ist mit seinem öffentlichen Alkoholverbot vor Gericht gescheitert. Dabei gibt es gute Gründe, das Trinken im öffentlichen Raum zu verbieten.

Fabian Leber

Für ihren Durst waren die Deutschen schon immer berühmt. Martin Luther vermutete, der deutsche Teufel müsse „Sauff“ heißen und ein „Weynschlauch“ sein. Bis Friedrich I. von Preußen versuchte, der Trinkfreude seiner Untertanen mit einem „Allgemeinen Edict wegen der Abstellung des Voll-Sauffens“ Herr zu werden. Geholfen hat es wenig. Mehr als zehn Liter reinen Alkohol trinkt jeder Deutsche im Jahr, das ist europäische Spitze. In einem Präzedenzfall ist nun die Stadt Freiburg mit ihrem öffentlichen Alkoholverbot vor Gericht gescheitert. Das aber lag auch an der scheinheiligen Begründung für die Kommunal-Prohibition. Gewalttätige Randalierer und Randgruppen wollte man abhalten – und meinte etwas anderes: Öffentliches Saufen sollte sozial geächtet werden. Tatsächlich funktioniert das berüchtigte Kampftrinken, bei dem es um Dinge wie Stärke, Leistungsfähigkeit und Männlichkeit geht, fast ausschließlich im öffentlichen Raum – an Orten, die als soziale Treffpunkte bekannt und akzeptiert sind. In den USA ist der Alkoholkonsum in den vergangenen 30 Jahren, anders als in Deutschland, zurückgegangen. So falsch also kann der Weg nicht sein, das Trinken auf Straßen und Plätzen zu verteufeln. fal

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