Ökostrom für die Bahn : Zu viel Dampf

Der Umgang der Deutschen Bahn mit dem Thema Klimaschutz ist vorbildlich für die meisten Großkonzerne hierzulande. Leider. Bahn-Chef Rüdiger Grube zeigt, wie man mit spektakulären Entscheidungen das Image eines Unternehmens grün polieren kann. Sein Rezept dabei lautet: Man gehe den richtigen Weg und feiere sich schon auf den ersten Metern, auch wenn das Ziel noch in weiter Ferne liegt. Diesem Prinzip folgt Grubes Entscheidung, der Bahn beim Energiekonzern RWE ein großes Kontingent an Strom aus Wasserkraft zu sichern. Das klingt grün und gut. Doch die Lieferung des Stroms aus längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken beginnt frühstens in drei Jahren. Und der Vertrag läuft bis 2028. Wer weiß schon, ob da nicht eine weit bessere Energietechnik verfügbar ist? Vor einigen Monaten hatte Grube bei Siemens 220 Züge der neuen Baureihe ICx für die Rekordsumme von sechs Milliarden Euro bestellt. Diese Züge sollen 30 Prozent weniger Energie verbrauchen als die heutigen Intercity-Züge. Allerdings wird der letzte Zug erst 2030 geliefert. Wer beim Anfahren zu viel Dampf macht, läuft Gefahr, dass er auf halber Strecke liegen bleibt. kph

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