Meinung : Ökumene oder Katakomben

DIE KIRCHE STREITET

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Das passiert selten: Dem bedächtigen Chefdiplomat der katholischen Bischöfe, Kardinal Lehmann, ist der Kragen geplatzt. Zu provokant und platt waren die Bewertungen des Ökumenischen Kirchentags durch seine kardinalen Gegenspieler Joseph Ratzinger und Joachim Meisner, um sie unwidersprochen im Sommerloch verhallen zu lassen. Ratzingers gallige Ferndiagnose und Meisners einfältiger Zeitungsbeitrag sind parallele Versuche, die ökumenische Entwicklung in Deutschland anzugreifen und schlechtzureden. Anders als diese beiden Kritiker war Lehmann Ende Mai in Berlin dabei und stützt sein Urteil auf eigenes Erleben. Er weiß also, wovon er redet. Und sein Kontra spricht für alle, die das Berliner Treffen als einen Markstein ihrer Erfahrung mit Kirche und Glaube erlebt haben. Dieses neue ökumenische Kapital ist viel zu wertvoll, um es jetzt im Nachhinein in Zweifel zu ziehen und zu zertrümmern. Denn was sind die Alternativen? Was haben Ratzinger und Meisner anzubieten als ihre Beiträge zu einem besseren Miteinander der Kirchen? Meisner lebt theologisch immer noch in vorvatikanischen Sphären. Und die Irritationen, die die von dem deutschen Kurienkardinal vor drei Jahren praktisch im Alleingang verfasste vatikanische Erklärung „Dominus Iesus“ auslöste, wirken bis heute nach. M.G.

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