Öl und E10 : Keine Macht der Droge

Schon hört man wieder Stimmen, die vor Hysterie in der Debatte um den neuen Kraftstoff E10 warnen. Warum?

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Es ist wichtig, jetzt darüber zu sprechen: mit Freunden, mit Kollegen, auch am Stammtisch. Nicht, weil die Sorge berechtigt wäre, dass bald viele tausend Autos mit zerfressenen Schläuchen auf den Autobahnen liegen bleiben. Das wird nicht passieren. Die Debatte ist wichtig, weil sich nun breite Teile der Bevölkerung intensiver mit der Frage beschäftigen, was der richtige Treibstoff einer modernen Gesellschaft ist.

Fast jeder hierzulande hat sich nach vielen Dioxinskandalen, BSE und Genfood eine dezidierte Meinung über Lebensmittel gebildet. Dass aber Autokraftstoff auch ein Lebensmittel ist, weil er unser mobiles Leben – nicht nur im Pkw – ermöglicht, ist vielen nicht bewusst. Je mehr Biosprit auf den Ackerflächen produziert wird, um das Klima zu schonen und von der Droge Öl loszukommen, desto mehr gerät Treibstoff auch unmittelbar in Konkurrenz zum Nahrungsmittel. Tank oder Teller? Das ist die Frage. Und sie beschäftigt endlich nicht nur die Dritte Welt, sondern uns, die Nation der Autofahrer. Fassungslos stehen wir vor den Preistafeln der Zapfsäulen: 1,55 Euro, 1,70, bald 2,10?

Die seit Jahren geplante Einführung von E10 in Deutschland fällt zufällig zusammen mit den Umbrüchen in der arabischen Welt. Die wiederum aktiviert Rohstoffhändler, treibt Spekulanten dazu, immer neue Höchstgebote für ein Fass Rohöl abzugeben. Würden deshalb nicht jetzt die Benzinpreise steigen, wäre E10 hierzulande kaum ein Thema und Rainer Brüderle hätte nicht publikumswirksam zum „E10-Gipfel“ gerufen. Anstatt am Dienstag darüber zu streiten, wer es wann, wie und wo versäumt hat, Autofahrer über den neuen Sprit zu informieren, sollten die Teilnehmer nach vorne schauen.

Ganz grundsätzlich: Wie kommen wir los vom Öl? Die Antwort darf man nicht dem Tankstellenmarkt überlassen. Dann werden Mineralölkonzerne weiter jeden Ölspekulationspreis an die Autofahrer durchreichen, bis immer mehr Menschen den Wagen stehen lassen. Die Armen zuerst. Das ist keine Lösung. Diese muss ohne Benzin auskommen. Wir brauchen Hybride und Elektroautos, mit regenerativem Strom gespeist. Echte E-Volkswagen für alle. Dann – und wohl leider nur dann – kann man sich künftig Debatten über lästige Treibstoffbeimischungsquoten sparen.

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