Meinung : Öresund

Moritz Schuller

Am 26. Januar 1912 wird Herman Bang bewusstlos in einem Abteil des Pazifik-Express aufgefunden. Drei Tage später stirbt der dänische Schriftsteller 54-jährig in Ogden City, Utah. Für den Dandy ein grausamer Tod, provinziell und ohne Publikum – aber ein köstlicher Abschiedswitz: Ogden City! Aldo Keel erzählt im Nachwort den Rest des Lebens: Herman Bang war so schwul und manieriert erschöpft wie die Helden von Huysmans und Mann.

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Protagonistin seines Romans „Stuck“ (1887) ist das moderne Kopenhagen, bevölkert von Chargen und Bankrotteuren. Der Journalist Herluf Berg ist Mitdirektor des Victoria-Theaters: ein theatrum mundi, wo mitten in einer Sonderveranstaltung für den Ärztekongress die Primadonna einen Strip hinlegt. Später dann das depressive Kopenhagen: „Der Sund lag träge und grau – tot unter der Decke des Nebels.“

Hermann Bang: Stuck. Aus dem Dänischen von Ingeborg und Aldo Keel. Manesse, Zürich. 511 S., 22,90 €.

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