Meinung : Ohne Sicherheit

cvm

Heute reist er ab in Richtung Kabul: ein diplomatischer Riese, aber militärischer Zwerg. Joschka Fischer hat den Erfolg der Petersberg-Gespräche im Gepäck, bei denen die Nachkriegsordnung für Afghanistan vereinbart wurde, dazu den beträchtlichen deutschen Beitrag zur Aufbauhilfe. Die von der Übergangsregierung Karsai erbetene deutsche Führungsrolle der Friedenstruppen dagegen kann der Außenminister nicht zusagen. Afghanistans Zukunft hängt von beidem ab: von der wirtschaftlichen Unterstützung und vom Frieden, der manchmal nur durch militärische Bewachung gesichert werden kann - durch eine Präsenz, die abschreckend wirkt. Zu der sind in der Region derzeit nur die Vereinigten Staaten fähig, von dem Respekt vor ihnen profitiert die von Europäern gestellte Friedenstruppe in Kabul. Die Amerikaner geben Fischer das sichere Geleit bei An- und Abflug via Usbekistan; übernachten in Kabul darf er nicht, dazu ist die Sicherheitslage noch zu prekär. Aber auch der deutsche Beitrag ist ein Kapital, für Afghanistan so gut wie daheim im Wahlkampf. Wenn der Sympathieträger Fischer als erster deutscher Gast am Donnerstag den Dank der Regierung Karzai entgegennimmt, werden die Wähler vor dem Fernseher dabei sein. Verteidigungsminister Rudolf Scharping trifft erst um einige Tage verzögert in Kabul ein - wie kürzlich seine Soldaten. Die Parabel auf Deutschlands Lage: Die Diplomatie ist weltweit vorzeigbar, das Militär nur bedingt.

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